GTNS: Favoritensiege und Cheering-Ekstase

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Schon vier Wochen nach dem Auftakt am Hochstaufen, folgte am Fuße der Zugspitze das große Wiedersehen für alle Athleten und Athletinnen der Golden Trail National Series. Beim Garmisch Partenkirchen Trail wurde es laut und schnell– Cheering Zone und laufbarer Strecke sei Dank.

„Dieses Jahr boomt die Serie ganz schön. Das Niveau ist nochmal deutlich höher als im letzten Jahr“, sagt keine geringere als Salomon-Athletin Laura Hampel über die Golden Trail National Series. Schaut man sich die Ergebnislisten des Garmisch Partenkirchen Trails an, kann man ihr in dieser Analyse nur zustimmen. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen geht es eng zu in den Top Ten.

Der Garmisch Partenkirchen Trail ist nach dem City und Trail in Bad Reichenhall der zweite Stopp der GTNS. Nach dem rassigen Auftakt über den Hochstaufen, ist die 29 Kilometer lange Strecke hinauf auf den Osterfelderkopf und wieder hinab nach Garmisch zugänglicher und laufbarer als der wilde Ritt über den Bad Reichenhaller Hausberg. Mit dem Start am Freitag früh wird der Golden Trail National Series beim Zugspitz Ultratrail ein exklusiver Rahmen geboten, ja, das Rennen sogar live auf YouTube übertragen. Die österreichische Agentur Livemotion sorgt für spektakuläre und hochwertige Live-Bilder von der Strecke. Ein Kameraläufer, der auch schon bei der Weltmeisterschaft in Innsbruck dem Feld hinterherlief, berichtet uns, dass die Professionalität hinter dieser Live-Coverage nochmal eine neue Dimension erreichte. Besonders die Drohnenaufnahmen im Downhill sind spektakulär.

© Jan Lenfert

Die Cheering Zone

Professionell aufgestellt sind auch die knapp 100 Trailrunning-Fans, die am Kreuzeck auf die ersten Trailrunner warten. Den Sound Mix aus Technobeats, Glockengebimmel, Vuvuzelagetröte und Anfeuerungsrufen hört man schon lange bevor man die letzten Höhenmeter hinauf zum Kreuzeck erreicht hat. Der Ort für diese Cheering Zone ist tatsächlich perfekt gewählt. In unzähligen Spitzkehren führt der Trail von der Laubhütte steil hinauf zum Kreuzeck. Jeder der schonmal beim Zugspitz Ultratrail am Start war, wird sich an diesen Anstieg erinnern. Mindestens wegen der schweren Beine. Dieses Jahr aber insbesondere wegen dem unbändigen Radau, den die Nomads Run Crew, angeführt von Rene Clausnitzer und Sascha Pirke, veranstaltet. Rene, ausgestattet mit Rauschebart, Parker, Bucket Hat und Megafon, treibt jeden zweiten Teilnehmenden höchstpersönlich die letzten Spitzkehren hinauf. Mal mit, mal ohne „pyotechnische Erzeugnisse“ in der Hand. Sascha, normalerweise nach einem Trailrun meist auf dem Podium anzutreffen, ist nicht weniger agil und trägt über mehrere Stunden ein kindlich-ansteckendes Grinsen im Gesicht. Dieses verrät: Trail Cheering ist mindestens genauso geil wie Trail Running. ZeGAPa haben die Nomads ihr Stimmungsnest getauft, in Anlehnung an die Mutter aller lauten Trailrunning-Rennen im Baskenland. Nun mögen die Basken im legendären Anstieg Richtung Sanctu Spiritu noch in der Überzahl sein, das Resultat in Zegama wie Garmisch Partenkirchen ist wohl identisch und manifestiert sich in einem fetten Dauergrinsen, dass jedem Teilnehmenden ins Gesicht gebrannt ist. Manchmal begleitet von einem herzlich gemeinten: „Ihr seid doch verrückt“ oder „Ihr habt doch einen Vollschaden.“

Cheering Zone "ZeGAPa" © Christoph Beetz

Brüder Duell

Zurück zum sportlichen Geschehen. Die ersten Läufer, welche die Cheering Zone nach circa 12 Kilometern erreichen, sind wie zu erwarten die beiden Innerhofer Brüder. Marc Dürr, Sieger aus Bad Reichenhall ist genauso wie Siegerin Elise Poncet nicht gestartet. So ist es Manuel Innerhofer, der auf den letzten Kehren versucht seinem Bruder davonzulaufen. „Ich hab ihn in dem Moment ziehen lassen, wohlwissend dass das Rennen noch lang ist“, berichtet Hans Peter Innerhofer im Ziel. Ob das die richtige Entscheidung war? Im Flachen wird es am Ende nochmal knapp, als Hans Peter unter Beweis stellt, dass er mehr Reserven hat. Dem zu ihm aufgeschlossenen Italiener Alex Oberbacher kann er zwar noch davon rennen, seinen Bruder holt er aber nicht mehr ein und finisht nur 19 Sekunden hinter ihm auf Rang zwei. Hinter Oberbacher entfachte sich ein spannender Vierkampf um die weiteren Plätze. Im oberen Abschnitt des letzten Downhills laufen Thomas Wanninger, Dominik Hohenleitner, Johannes Nussbaumer und Christoph Lauterbach noch zusammen. Im steilen Forststraßen-Downhill wagt Lauterbach dann den Angriff und finisht letztendlich auf Rang 4, einen Platz besser als in Bad Reichenhall und keine drei Minuten hinter dem Sieger. „Es ist schon Wahnsinn wie stark die Konkurrenz inzwischen ist und wie eng die Rennen geworden sind. Es bricht auch keiner mehr ein“, berichtet uns der Brooks Athlet im Ziel.

Garmisch Partenkirchen Trail (Frauen)
PlatzNameZeit
1Marion Leiberich2:38:46
2Karin Hahn2:45:09
3Lena Ritzel2:47:51
4Carola Dörries2:48:51
5Sarah Kistner2:49:19
6Laura Bocchino2:50:02
7Laura Hampel2:50:37
8Jana Klaiber2:52:25
9Spela Gonza2:53:05
10Isabell Speer2:53:52
Garmisch Partenkirchen Trail (Männer)
PlatzNameZeit
1Manuel Innerhofer2:12:17
2Hans Peter Innerhofer2:12:36
3Alex Oberbacher2:13:50
4Christoph Lauterbach2:15:10
5Johannes Nussbaumer2:15:47
6Thomas Wanninger2:16:07
7Dominik Hohenleitner2:16:50
8Maximilian Zeus2:17:16
9Lukas Gasser2:21:26
10Jakob Stenzel2:23:57

Vom Kap der guten Hoffnung zur deutschen (Zug-)Spitze

Marion Leiberich weilt die meiste Zeit des Jahres in ihrer Wahlheimat Südafrika, wo sie eine Post-Doc Stelle als Wildtier-Veterinärin innehat. Nach ihrem Start bei der Europameisterschaft vor zwei Wochen verlängerte die 36-jährige Karlsruherin ihren Heimataufenthalt und hängte den Start bei der GTNS dran. Eine gute Entscheidung, schließlich dominierte sie das Rennen von Start bis Ziel und hat im Ziel gute sechs Minuten Vorsprung auf Rang zwei.

Sarah Kistner (wir stellten die Athletin ausführlich vor) erwischte ein zweigeteiltes Rennen. Im Uphill hatte sie gute Beine und war am höchsten Punkt zwar nicht auf den Fersen der Siegerin, aber dennoch auf Rang zwei. Leider hatte sie in den letzten Wochen seit dem Rennen in Bad Reichenhall immer wieder Fußschmerzen und konnte aus privaten Gründen nicht in ihrer Tiroler Wahlheimat verweilen, sodass sie so gut wie kein Downhill Training absolvierte. Dementsprechend mühsam gestaltete sich der lange und teilweise sehr fiese, weil steile, Downhill zurück ins Ziel. Geschenkt wird einem in diesem Feld nichts. Und so waren es die sehr stark auflaufende Chiemgauerin Karin Hahn und die Wahl-Allgäuerin Lena Ritzel die sich im Downhill auf die Podiumsplätze schoben. Erstere übernimmt damit die Führung in der Gesamtwertung der GTNS. Obwohl Sarah noch einen weiteren Platz an Carola Dörries aus Kempten verlor, reichte der fünfte Platz für Platz zwei in der Gesamtwertung. Denn sowohl Sylvia Schwaiger als auch Anna Plattner, in Bad Reichenhall noch auf Rang zwei und drei, verpassten verletzungsbedingt den Start beim zweiten Stopp der GTNS.

Siegerin und Sieger: Marion Leiberich und Manuel Innerhofer ©Jan Lenfert

Bei den Herren führt Hans Peter Innerhofer die Gesamtwertung vor Christoph Lauterbach an. Mit Rang eins und zwei hat er schon jetzt die nötigen zwei Rennen gesammelt um in die Endwertung einzugehen. Aber die Innerhofers haben dieses Jahr auch noch internationale Ziele. Beim Mt. Blanc Marathon und bei Sierre Zinal wollen sie sich möglichst auch im Ranking der Golden Trail World Series weit vorne platzieren.

Sierre Zinal wird auch das Saison Highlight für den Vollzeit-Arzt Christoph Lauterbach sein. Aber zuerst muss der zurückhaltende Zweitplatzierte der GTNS-Gesamtwertung die Erlebnisse am lautesten Cheering Point Deutschlands verdauen: „Die waren ja völlig verrückt da oben. Eigentlich ist das ja garnicht so mein Ding. Aber in dem Moment hat es mich wahnsinnig gepusht. Unglaublich.“

Gesamtwertung GTNS DACH (Frauen)
PlatzNameZeit
1Karin Hahn153 Punkte
2Sarah Kistner140 Punkte
3Isabell Speer121 Punkte
Gesamtwertung GTNS DACH (Herren)
PlatzNameZeit
1Hans Peter Innerhofer176 Punkte
2Christoph Lauterbach140 Punkte
3Lukas Gasser136 Punkte

Das nächste Rennen der GTNS ist der Zermatt Marathon Anfang Juli. Wir sind wieder beim übernächsten Stopp, dem Pitz Alpine Glacier Trail vor Ort um ausführlich zu berichten.

Weitere Eindrücke vom ZUT Wochenende lest ihr im Trailrunningwochenende kompakt.

Trailrunning Wochenende kompakt: Zugspitz Ultratrail, Koasamarsch, Trail 100 Andorra, Tschirgant Skyrun, Grand Trail du Saint-Jacques