Ein Star des Berglaufs erobert die Trails: Sarah Kistner im Porträt

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Sarah Kistner hat im Berglauf fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Heutzutage legt sie ihren Fokus aufs Trailrunning. Diesen Sommer möchte sie sich bei den Rennen der Golden Trail National Series zeigen.

Mit 26 Jahren zählt die Salomon-Athletin Sarah Kistner im Trailrunning immer noch zu den jüngeren Athletinnen. Dabei ist sie alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Die aus dem Taunus stammende Ausnahmeläuferin hat ihre Leidenschaft fürs Laufen im Jahr 2012 im Alter von 14 Jahren entdeckt. Zusammen mit ihrer laufaffinen Mutter hat sie die Anstiege des Großen Feldbergs und des Altkönigs erkundet und empfand sehr schnell Freude dabei, sich die Berge hochzuquälen. Dass sie dafür ein Talent hat, zeigt sich gleich bei ihrer ersten Wettkampfteilnahme im selben Jahr. Sie gewinnt den lokalen Altköniglauf (20 km/315 hm) aus dem Stand heraus. Eine Initialzündung, die sie neugierig auf neue sportliche Herausforderungen macht.

Sarah Kistner läuft seit 2023 für Salomon. Foto: Andreas Krispler

Das Berglaufen hat es ihr angetan. 2013 startet sie beim Osterfelder Berglauf in Garmisch-Partenkirchen (11,9 km/1297 hm) und gewinnt im Alter von 15 Jahren auch dort. Spätestens ab dem Zeitpunkt geht es Schlag auf Schlag für die talentierte Bergspezialistin. Kistner wird 2014 zum ersten Mal für die U20-Berglauf-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft starten. Sie gewinnt Silber im Einzel und Gold mit der Mannschaft. Bei der Berglauf-Europameisterschaft 2015 wird es sogar zwei Mal Gold. Genauso wie im Folgejahr. 2017 wird Sarah Kistner Deutsche Berglaufmeisterin in Bayerisch Eisenstein. Auch im Crosslauf, auf der Bahn und auf der Straße macht Sarah Kistner auf sich aufmerksam und erzielt große Erfolge und beeindruckende persönliche Bestzeiten. Ihre 33:38 min auf 10 km im Jahr 2015 ist die zweitschnellste Zeit der deutschen Jahresbestenliste für U20-Athletinnen.

Sarah Kistner bemerkt Anfang 20, dass sie sich im klassischen Berglauf nicht entscheidend weiterentwickeln kann und entdeckt die Freude an längeren Distanzen zwischen 20-30 Kilometern. Verletzungsmiseren, die sie auf die eintönige Trainingsbelastung fürs Bahn- und Straßenlaufen schiebt, bekräftigen ihren Wunsch nach Veränderung. Bei Urlaubsaufenthalten im Allgäu geht sie auf ausgedehnte Trailläufe und beschließt sich neu auszurichten und von nun an Trailwettkämpfe in den Fokus zu rücken.

Zwar durchkreuzt die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Rennausfälle zunächst ihren Plan, doch 2021 startet sie schließlich auf der 35 km-Strecke des Eiger Ultra Trails erstmals bei einem Traillauf. Eine Streckenlänge, die sie nach eigener Aussage zum damaligen Zeitpunkt noch überfordert. Die rund 2500 hm setzen ihr besonders im Downhill zu. Trotzdem kämpft sie sich auf eine Top 10-Platzierung. Die Erfahrung vom Eiger lehrt sie, dass sie die muskuläre Belastung des alpinen Downhilllaufens trainieren muss. Gesagt, getan. Die ersten Erfolge auf den Trails lassen nicht lange auf sich warten. Es folgen Podiumsplatzierungen auf kürzeren Distanzen beim Innsbruck Alpine (IATF), dem Stubai Ultra Trail, dem Pitz Alpine (PAGT), Mayrhofen Ultraks und dem Ötzi Trailrun Naturns, um nur einige zu nennen.

Sarah Kistner beim diesjährigen Ötzi Trailrun in Naturns, den sie als beste Deutsche auf Platz 2 finishen konnte. Fotos: Daniel Gassner

Mit ihrem Umzug nach Tirol vor zwei Jahren stellt Sarah Kistner eine weitere Weiche in Richtung Trailrunning. Die aktuell promovierende Mathematikerin genießt die alpine Bergwelt und die optimalen Trainingsbedingungen. Im Winter ist sie mitunter gerne auf Skitouren unterwegs und legt damit die Grundlage für die Laufsaison. Die ambitionierte Hessin, die im Herbst 2023 einen Sponsoringvertrag mit Salomon unterschrieben hat, liebt es, sich mit den Besten zu messen. Aus diesem Grund ist sie bei der diesjährigen Golden Trail National Series (GTNS) angemeldet, um zu zeigen, dass mit ihr zu rechnen ist, der Nachwuchsathletin, die schon lange keine Nachwuchsathletin mehr ist.

Hört hier unser Interview mit Sarah Kistner im Trailfunk Podcast.

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