Dynafit Ultra DNA 2

Produktdaten

Preis: 260 Euro
Gewicht: 291 Gramm (Größe 42)
Sprengung: 6 mm

„Ich hab den Besten“, sagte Hannes Namberger in unserem Pre-UTMB-Interview auf den Hinweis, dass inzwischen alle seine Konkurrenten in schnellen Trail-Superschuhen unterwegs sind. Da ist jemand ziemlich überzeugt von seinem Schuh. Aber kann der Dynafit Ultra DNA 2 halten, was sein berühmtester Träger verspricht? Wir haben das neue Performance-Flaggschiff der Schneeleoparden-Marke ausführlich auf den Trails getestet.

Einmal aus dem Karton genommen, fällt als Erstes das extrovertierte Design ins Auge. Türkis, Weiß und Pink kombiniert der Schuh zu einer Optik, die definitiv auffällt. Ob das gefällt, ist natürlich Geschmackssache. Unsere eher introvertierte Alles-Laufbar-Redaktion bevorzugt zumeist etwas dezentere Farben.

Was fällt noch auf? Der erste Dynafit-Superschuh kommt daher wie ein klassischer High-Performance-Trailschuh, wie ihn auch andere Marken im Sortiment haben: mit hohem Sohlenaufbau inklusive Carbonplatte und zwei verschiedenen Schäumen, minimalistisches und leichtes Obermaterial sowie eine hochwertige Außensohle – in diesem Fall vom Spezialisten Vibram.

Die erste Bewegung, die wir bei einem Superschuh machen, ist deshalb auch immer dieselbe: Wir prüfen die Biegefestigkeit. Und spätestens hier werden die ersten Unterschiede zu vergleichbaren Konkurrenzmodellen deutlich. Der Ultra DNA 2 ist enorm steif und lässt sich sowohl lateral als auch longitudinal kaum verbiegen. Das ist bei Superschuhen grundsätzlich stark ausgeprägt. Bei diesem Modell allerdings noch einmal in einer anderen Dimension.

Aber nun ab auf die Trails. Wir schlüpfen hinein und stellen fest: Die Passform ist gut, allerdings fällt der Schuh im Vorfuß auffällig breit aus. Dynafit lässt den Zehen hier außerordentlich viel Platz. Über das Quick-Lace-Schnellschnürsystem lässt sich der Mittelfuß dennoch ausreichend gut fixieren.

Auch beim Obermaterial vertraut Dynafit auf die Experten von Matryx – und tut gut daran. Es ist leicht, atmungsaktiv und dennoch stabil und langlebig. Weniger gelungen ist die Lösung für die Schnürsenkel: Eine Verstaumöglichkeit für deren Enden suchen wir vergeblich. Sie existiert schlicht nicht. Also fädeln wir die überstehenden Enden notdürftig unter die Schnürung.

Wir laufen los.

Die Dämpfung ist nicht weich, sondern eher von der verbindlicheren Sorte im Superschuh-Reigen. Die Vortriebslust ist dagegen sofort spürbar. Schon auf den ersten, noch eher langsamen Metern wird allerdings klar, dass gemütliches Traben nicht die Wohlfühlzone des DNA 2 ist.

Kaum beschleunigen wir den Schritt, entfaltet sich jedoch das volle Potenzial dieser Waffe. Und ja, diesen Begriff nehmen wir nicht ohne Grund in den Mund. Wenn man einen Waffenschein für Schuhe vergeben möchte, wäre der Dynafit Ultra DNA 2 ein heißer Kandidat.

Dieser Schuh ist extrem. Extrem vortriebsfreudig, extrem schnell und über lange Zeit extrem supportive. Sind Superschuhe nicht immer extrem? Ja, klar. Aber beim Ultra DNA 2 haben wir das Gefühl, dass Dynafit die Kompromisslosigkeit noch einmal auf die Spitze getrieben hat.

Ultra DNA 2 vs. Agravic Speed Ultra 2

Vergleichbar mit

Adidas Terrex Agravic Speed Ultra 2

Der Adidas Terrex ist definitiv etwas weicher ausgerichtet. Man sinkt mehr in den Schaum hinein. Enormen Vortrieb haben beide. Extrem sind beide. Wobei der Terrex eher aufgrund seiner schmalen Ferse schwer zu laufen ist, der Dynafit eher wegen seiner extrem steifen Konstruktion. Der Dynafit ist insgesamt der vermeintlich stabilere Schuh, der mehr Unterstützung bietet. Dem Terrex fehlt es im Gelände ein wenig an Bodengefühl, da hat der Dynafit die Nase vorn. Dafür ist der Adidas Schuh flexibler und passt sich den Geländegegebenheiten etwas besser an.

Beim Vortrieb und beim stabilisierenden Support erreicht der Schuh absolute Bestwerte. Doch wer einen Bereich kompromisslos maximiert, muss zwangsläufig an anderer Stelle Abstriche machen. Im unwegsamen, unebenen Gelände fanden wir den Ultra DNA 2 aufgrund seiner enormen Steifigkeit eher anspruchsvoll zu laufen. Auch beim Tempo zeigt er sich wenig vielseitig. Er will gelaufen werden. Und das am besten schnell.

Nach mehreren Läufen wird der Schuh etwas „weicher“ und dadurch leicht zugänglicher, behält aber seine straffe Grundausrichtung. Das Gewicht ist dezent höher als bei anderen Superschuhen. Support ist ihm auch definitiv wichtiger als Agilität. In Größe 42 (lieber eine Nummer kleiner als normal kaufen), wiegt er 291 Gramm.

Der Schuh ist in limitierter Auflage bereits erhältlich, seine offizielle Marktreife erlangt er allerdings erst im Jahr 2027. Bis dahin könnte Dynafit noch an ein paar Kleinigkeiten nachbessern. Das Quick Lace an sich ist Geschmackssache – andere Marken setzen aus nachvollziehbaren Gründen eher auf klassische Schnürungen. Wenn man sich schon dafür entscheidet, sollte das System aber wenigstens unter einer Lasche fixierbar sein. Außerdem ist die Schnürung etwas zu lang.

Fazit: Eine kleine persönliche Anekdote sei mir an dieser Stelle erlaubt. Ich lief gestern lange im Salomon S/Lab Genesis 2. Heute stieg ich in den Dynafit Ultra DNA 2. Es war ein wenig, als würde man von einem Skoda Fabia in einen Formel-1-Ferrari wechseln. Ich war massiv beeindruckt – aber gleichermaßen auch ziemlich überfordert. Und ich bin beileibe kein unerfahrener oder gar langsamer Trailrunner.

Hannes Namberger ist Vollblut-Wettkampf-Athlet. Einer, der keine Kompromisse eingeht, wenn es um Speed und Ultratrail-Support geht. Dass der Dynafit Ultra DNA 2 für ihn der bestmögliche Schuh ist, glauben wir daher sofort. Vielleicht gilt das auch für ein paar weitere leistungsstarke Athleten und Athletinnen. Insgesamt dürfte diese Zahl allerdings überschaubar bleiben.

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