Hoka Tecton X 4

Produktdaten

Preis:250 Euro
Gewicht:275 g (Herren), 234 g (Damen)
Sprengung:5 mm

Der Tecton X 4 ist die neueste Ausgabe des High-Performance-Trailschuhs aus dem Hause Hoka. Während der Tecton X 2 von uns bei Alles Laufbar heiß und innig geliebt wurde (und nach wie vor schmerzlich vermisst wird), hatten wir bei der dritten Version, die wir leider nur kurz ausprobieren konnten, Zweifel an der Geländetauglichkeit des sehr weichen und kompromisslos auf Vortrieb ausgelegten Supershoes.

Nach unseren ersten Läufen in der neuesten Version stellen wir erfreut fest: Der neue Tecton X 4 scheint an der Performance-Schraube leicht zurückgedreht zu haben, um auch im technischen Gelände einsetzbarer zu werden. Der Schuh fühlt sich schnell an und ermuntert dazu, die Pace hochzufahren. Ein Superschuh durch und durch! Besonders im laufbaren Gelände. Aber eben nicht nur. Genau darin liegt der Reiz der vierten Generation des Tecton X. Er versucht, die Vorteile eines Superschuhs mit den Anforderungen des Trails zu verbinden.

Unter dem Fuß arbeitet eine zweilagige PEBA-Mittelsohle, darin stecken zwei parallel angeordnete Carbonplatten. Darüber sitzt ein neues Matryx-Micro-Obermaterial, unten sorgt Vibram Megagrip mit 4-Millimeter-Stollen für den Grip. Mit 5 Millimetern Sprengung und rund 40 Millimetern Höhe unter der Ferse (keine Änderung zu Version 3) bringt der Tecton X 4 ordentlich Material zwischen Fuß und Trail. Bemerkenswert: Die neue Version ist ganze 15 Gramm leichter als der Vorgänger.

Der Tecton X 4 macht es einem leicht, schnell zu laufen. Die Dämpfung der Mittelsohle ist deutlich präsent, aber nicht träge. Gibt man etwas mehr Druck auf den Vorfuß, kommt eine spürbare Reaktion zurück. Es entsteht besonders im höheren Tempo ein sehr ökonomisches, ja, irgendwie rundes Laufgefühl.

Was ist, wenn der Untergrund schwieriger wird? Genau hier hat Hoka beim Tecton X 4 nachgeschärft. Im Vergleich zum Tecton X 3 fällt die Konstruktion weniger kompromisslos steif aus. Die Platten sind anders in die Zwischensohle eingebettet, wodurch der Schuh beim Verdrehen etwas mehr Bewegung zulässt. Der Schuh lässt sich etwas natürlicher über den Trail laufen und fühlt sich weniger vom Untergrund entkoppelt an. Die Kombination aus breiter Basis, Carbonplatten und der relativ festen Seitenführung vermittelt ein gestiegenes Vertrauen im technischen Gelände. Aber besonders im technischen Downhill bleibt der Schuh ein Tecton. Die hohe Mittelsohle und die Superschuh-Konstruktion schonen zwar die Oberschenkel, reduzieren aber zwangsläufig die Stabilität und Kontrolle im alpineren Gelände. Hier braucht es etwas Eingewöhnung und Übung, um mit dieser Art Schuh zurechtzukommen.

Noch ein Wort zum Obermaterial: Das Matryx Micro ist superdünn und lässt deutlich mehr Luft an den Fuß als viele andere Obermaterialien. Das ist bei warmem Wetter angenehm. Gleichzeitig ist das Material nicht besonders weich gepolstert. Wer einen sehr kuscheligen Schuh rund um den Fuß erwartet, wird hier, typisch Wettkampfschuh, enttäuscht. Durch die fehlende Zunge liegen die Schnürsenkel sehr eng auf dem Fuß auf, was uns auf Dauer gestört hat, denn an einer engen Schnürung kommt man bei dieser Art Schuh schließlich nicht vorbei. Hier würden wir uns in Zukunft etwas mehr Tragekomfort wünschen. Insgesamt ist die Passform eng und präzise, ohne im Vorfuß völlig auf Zehenfreiheit zu verzichten. Wir vermuten, dass die allermeisten Füße hier gut hineinpassen.

Beim Grip macht Hoka keine Experimente. Die Vibram-Megagrip-Laufsohle funktioniert auf Fels, Wurzeln und festem Waldboden sehr zuverlässig. Die 4-Millimeter-Stollen sind tief genug, um auch auf losem Untergrund nicht sofort an ihre Grenzen zu kommen, aber nicht so aggressiv, dass sich der Schuh auf befestigten Passagen unangenehm anfühlt.

Agravic Speed Ultra 2 vs Tecton X4

Vergleichbar mit

Adidas Terrex Agravic Speed Ultra 2

Der Tecton X4 macht einen kleinen Schritt weg von Performance hin zu Stabilität. Der ASU 2 ist dämpfungsmäßig pushiger und mit mehr Vortrieb unterwegs. Dafür fühlten wir uns mit dem Tecton X4 auf dem Trail sicherer. Er lässt mehr Bodengefühl zu und ist auch insgesamt stabiler als der Adidas unterwegs. Der Agravic Speed Ultra 2 ist definitiv der Extremere in diesem Duell zweier extremer Superschuhe.

Für wen ist der Schuh gemacht? Wer einen gemütlichen Schuh für die tägliche Feierabendrunde sucht, braucht den Tecton X 4 ziemlich sicher nicht. Auch wer vor allem technischste alpine Trails läuft, findet möglicherweise passendere Werkzeuge. Seine Paradedisziplin liegt dazwischen: lange, schnelle Rennen mit wechselndem Untergrund. Ein Ultra mit vielen laufbaren Passagen, schnellen Forstwegen und eingestreuten technischen Abschnitten oder ein langer Trainingslauf, bei dem die Geschwindigkeit eine Rolle spielt – hier fühlt sich der Tecton X 4 als High-Performance-Schuh zu Hause.

Fazit: Der Tecton X 4 verbindet die Geschwindigkeit eines Trail-Superschuhs mit einer Portion mehr Alltagstauglichkeit im Gelände. Hoka hat im Vergleich zum Vorgänger an vielen kleinen Stellschrauben gearbeitet. Das Ergebnis ist ein ausgesprochen ausgereifter Trail-Superschuh. Unser Lieblings-Tecton bislang. Also hinter Version 2, versteht sich.

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