Das erste Mal, dass ich Tove Alexandersson sah, war auf einer Party. Im Jahr 2017, als die Skyrunner World Series und ihr Finale beim Limone Skyrace noch ein richtiges Ding waren, hatten die Veranstalter am Strandboulevard von Limone ein Partyzelt aufgebaut. In diesem Zelt drängelten sich eng an eng durchtrainierte Skyrunner-Waden. Die Stimmung war ausgelassen, auch bedingt durch das ein oder andere Kaltgetränk, das die Kehlen jener Körper hinunterfloss, die sonst eher Höhenmeter als Hochprozentiges gewohnt waren. Ich glaube, Tove geht nicht oft auf Partys. Und auch auf diese wurde sie wortwörtlich geschoben. Im Rollstuhl sitzend wurde sie von ihren Freunden in das Zelt gefahren. Einige Stunden zuvor hatte sie das Limone Skyrace in beeindruckender Manier gewonnen. Es war ihr erstes Trailrennen überhaupt. Nach einer langen Orientierungslauf-Saison war sie mit Freunden am Gardasee im Urlaub gewesen und hatte sich relativ spontan für das Rennen angemeldet. Ihre Vorbereitung lässt sich mit zwei Worten zusammenfassen: nicht existent. Vom Orientierungslauf war sie kurze Belastungen bis etwa 90 Minuten gewohnt. Während des kompletten Rennens, das für sie 3,5 Stunden dauern sollte, nahm sie nur zwei Gels zu sich. Doch das Tempo zu reduzieren war für die führende Schwedin keine Option. Mehrmals stürzte sie im letzten schweren Downhill. Blutüberströmt erreichte sie das Ziel, in das sie mehr hineinfiel als lief. Mit letzter Kraft versuchte sie im Fallen das Zielbanner mit der rechten Hand herunterzureißen, blieb aber letztlich unter dem Banner liegen. Diese letzten Meter ins Ziel sollten für die nächsten Tage ihre letzten Schritte gewesen sein.









