Zwei Zahlen stehen am Anfang dieser Geschichte und geben ihr Gewicht: Rund 200 Kilometer – so weit haben sich die größten, am besten vermessenen Gletscher der Alpen in den letzten dreißig Jahren zusammengenommen zurückgezogen. Und über 4400 Gletscher gibt es im Alpenraum insgesamt, alle auf dem Rückzug. Diese Zahlen sind abstrakt, solange sie nur auf Papier stehen. Also beschlossen wir, sie in Schritte zu verwandeln: Wir, vier Freunde – Adrian, Kilian, Kim und Simon – laufen die symbolischen 200 Kilometer von der Pasterze am Großglockner bis zum Hintertuxer Gletscher. Jeder gelaufene Meter steht für einen verlorenen Meter Eis. Drei Tage, 11.000 Höhenmeter, self-supported. Ein Filmteam begleitet uns punktuell; die Geschichte soll dokumentiert werden und im Herbst wird es dazu einen Kurzfilm geben.
Die Anreise mit dem Zug nach Bruck am Großglockner wirkt harmlos, beinahe idyllisch. Doch am Weg zur Pasterze kippt die Stimmung in Ernsthaftigkeit. Entlang des Pfades zum Gletscher stehen Schilder mit Jahreszahlen: 1980, 1990, 2000, 2010, heute. Jedes Schild markiert, wo die Gletscherzunge damals endete, und jedes Schild liegt weit unter uns.
Die Mutter unseres Filmers, die uns begleitet, erzählt, wie sie vor etwa zwanzig Jahren mit einer kleinen Bahn direkt hinunter aufs Eis gefahren ist. Die Schienen liegen noch da. Das Eis nicht.
Wir drehen die Interviews und blicken über das, was vom Gletscher übrig ist und in der Sonne glitzert: Wir sind nicht nur zum Laufen hier.









