Zahlen und Storylines von Leadville 100, Karnisches Ungetüm

Immer montags präsentieren wir euch die Zahlen des vergangenen Wettkampfwochenendes. Hinter jeder Zahl verbirgt sich eine kleine Geschichte, die interessant, spannend, lustig oder einfach nur informativ ist. An diesem Wochenende schauen wir auf den Leadville 100 und das Karnische Ungetüm.

EINUNDDREIßIG JAHRE

Gleich zwei historische Zeiten wurden beim diesjährigen Leadville 100 Mile Run aufgestellt, der 42. Ausgabe des nordamerikanischen 100 Meilen-Klassikers. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen gab es neue Streckenrekorde.

Warum wir in der Einleitung das Wort „historisch“ verwenden? Der Frauenstreckenrekord von US-Ultralauf-Legende Ann Trason von 1994 hatte ganze 31 Jahre Bestand, bevor ihn Anne Flower vergangenes Wochenende um 8 Minuten unterbieten konnte. Anne Flower, 100-Meilen-Debütantin, ist eine Zeit von 18:06 Stunden gelaufen und wurde damit beeindruckende Overall-Zweite. Die 35-jährige hatte sich in den Jahren zuvor scheinbar besonders auf Marathon und 50 km-Distanzen spezialisiert, bis sie letztes Jahr mit dem Juvelina Jundred ihr erstens 100-Rennen gelaufen ist – und das auch gleich gewinnen konnte.

Nur einer war noch schneller als sie: der Vorjahressieger David Roche. Roche konnte seinen Sieg wiederholen und seinen im letzten Jahr ebenso als historisch zu bezeichnenden Streckenrekord erneut verbessern. Mit 15:12 Stunden war er knapp eine Viertelstunde schneller als 2024, als er die lange Zeit als unschlagbar geltende Marke von Matt Carpenter sensationell unterbieten konnte. David Roche hat sich damit nach seinem vieldiskutierten DNF beim Western States 100 eindrucksvoll zurückgemeldet.

Fotos: Life Time/Leadville Race Series

Höhenweg ZWEI von DREI

KUT ist ein großartiges Kürzel für einen schweren Ultratrail. Doch in diesem Fall steht „UT“ nicht für „Ultratrail“, sondern für „Ungetüm“. Hinter dem Namen verbirgt sich der Karnische Höhenweg, der seit 2023 in Osttirol im Rennformat bezwungen werden kann. 76 Kilometer und 5000 Höhenmeter gilt es dabei zu überwinden. Passend dazu lautet das Event-Motto: „Bezwinge das Ungetüm.“

Schon bei seiner Premiere sorgte der Lauf für Aufmerksamkeit in der Szene – nicht nur wegen seiner Härte. Im Ziel werden die Finisher von wahren „Ungetümen“ empfangen: Perchtenkostüme, die sonst erst im Dezember beim Krampuslauf zum Einsatz kommen, werden hier schon im Hochsommer ausgepackt. Für die Läuferinnen und Läufer ist das ein eindrucksvolles Erlebnis – und auch für die verkleideten Perchten selbst eine schweißtreibende Herausforderung.

Besonders auffällig: Beim Karnischen Ungetüm gibt es bislang nur eine einzige Distanz – und die hat es in sich. Kilometerlang führt die Strecke in schwierigem Terrain hoch über 2000 Metern. Ein Lauf, der sich in seiner derzeitigen Form fast ausschließlich an sehr erfahrene und bestens trainierte Trailrunner richtet. Doch schon 2025 soll sich das ändern: Das „Ungetüm“ bekommt Zuwachs. Auf der anderen Talseite, rund um den Weissensee, werden zusätzliche Distanzen über 20 und 50 Kilometer angeboten – in technisch weniger anspruchsvollem Gelände.

Einer, der sich mit Höhenwegen bestens auskennt, ist Tobias Fritz. Der Ultraläufer aus Schwaigen mischt in diesem Sommer die Szene ordentlich auf und zeigt, was an Trainings- und Wettkampfumfang möglich ist. Schon 2022 war er bester Deutscher beim UTMB und Dritter bei der Deutschen Meisterschaft in Reit im Winkl. In dieser Saison hat er das Trainingspensum noch einmal deutlich gesteigert. Wer ihm auf Strava folgt, staunt über das Volumen: Wochen mit mindestens 20 Stunden Training, Spitzenwerte von bis zu 38 Stunden – für den 36-Jährigen fast schon Routine. „Tempo habe ich aber schon lange nicht mehr gemacht“, beichtete er uns. Dennoch zahlt sich die Arbeit aus: starke Ergebnisse wie Platz fünf beim Stubaier Höhenweg-Rennen im Juni oder Rang drei beim Schnalstal Ultra.

Seinen Sommer krönte er schließlich mit dem Sieg beim KUT. Mit einer Finisherzeit von 10:45:06 Stunden schrammte er nur knapp am Streckenrekord von Alexander Westenberger vorbei. Der Karnische Höhenweg dürfte aber nicht sein letzter Höhenweg im Wettkampfformat bleiben: Im September steht Fritz beim Z101 im Rahmen des Mayrhofen Ultraks (Berliner Höhenweg) wieder als Favorit am Start. Auch abseits der Rennen absolviert er Höhenwege wie das Sarntaler Hufeisen oder den Ortler Höhenweg einfach „zum Training“.

Bei den Frauen wurde in diesem Jahr sogar der Streckenrekord gebrochen. Die Slowenin Rea Kolbl blieb mit 11:57:43 Stunden knapp unter der 12-Stunden-Marke. Auch sie wurde lautstark und eindrucksvoll von den Perchten ins Ziel begleitet.

Tobias Fritz und Rea Kolbl: Umringt von Ungetümen im Ziel des Karnischen Ungetüms © KUT

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