Zahlen und Storylines von Grigne Skymarathon, Julian Alps by UTMB und Wildstrubel by UTMB

Immer montags präsentieren wir euch die Zahlen des vergangenen Wettkampfwochenendes. Hinter jeder Zahl verbirgt sich eine kleine Geschichte, die interessant, spannend, lustig oder einfach nur informativ ist. An diesem Wochenende schauen wir auf den den Grigne Skymarathon, Julian Alps by UTMB und den Wildstrubel by UTMB

Die Antipode zum Berlin Marathon: 42 Kilometer in 4 Stunden 52

Der Grigne Skymarathon gilt als eines der Highlights der gesamten Skyrunning-Saison. Das Rennen in der italienischen Lombardei, unweit des Comer Sees, findet nur alle zwei Jahre statt und wechselt sich mit der Trofeo Kima ab. Ähnlich spektakulär wie bei der Trofeo Kima ist auch das Terrain beim Grigne Skymarathon: Die Gipfel des südlichen wie auch des nördlichen Grigna müssen bezwungen werden. Der Weg hinauf und wieder hinab führt über steile Felsabbrüche, die mit dicken Stahlseilen gesichert sind. Auf Instagram lässt sich ein Eindruck dieses spektakulären Events gewinnen, bei dem die Grenzen zwischen Laufen und Alpinismus verschwimmen.

Der aus dem Aostatal stammende Kailas-Athlet William Boffelli bewältigte den 42 Kilometer langen Kurs mit 3500 Höhenmetern in einer Fabelzeit von 4:50 Stunden. Zugegeben: Die Sieger beim zeitgleich stattfindenden Berlin Marathon legten dieselbe Distanz mehr als doppelt so schnell zurück. Doch wie man in knapp fünf Stunden diese schiere Menge an Höhenmetern in solch unwirtlichem Gelände bewältigen kann, bleibt rätselhaft.

Während der Sieg bei den Männern mit 25 Minuten Vorsprung deutlich an Boffelli ging, war es bei den Frauen wesentlich spannender. Die französische Skyrunning-Spezialistin Iris Pessey führte das Rennen lange an, doch die Britin Natalie Beadle kam immer näher und zog sie schließlich zwei Kilometer vor dem Ziel vorbei. Doch Pessey konterte: Die Scott-Athletin spielte ihre ganze Routine aus und erkämpfte sich mit einem starken Schlussspurt den Sieg. Ihre Zeit: 6:33:55 Stunden.

Der Berlin Marathon mag an diesem Wochenende das größte Laufevent gewesen sein – der Grigne Skymarathon war mit Sicherheit das wildeste. Und damit die wohl vollkommenste Antithese zum Straßenrennen in der deutschen Hauptstadt.

Brutales Gelände beim Grigne Skymarathon Fotos: Francesco Bergamaschi

Julian Alps Trail Run: Deutschsprachige Athleten triumphieren

Der Julian Alps Trail Run by UTMB im slowenischen Kranjska Gora ist in den vergangenen Jahren ein beliebtes Ziel deutschsprachiger Läuferinnen und Läufer gewesen – so auch in diesem Jahr.

Beginnen wir mit der Königsdistanz über 124 Kilometer. Hier erwischte Miria Meinheit einen Sahnetag. Nach dem spätabendlichen Start arbeitete sie sich über Nacht kontinuierlich im Gesamtranking nach vorne. Nach 17 Stunden und 16 Minuten lief sie als erste Frau in Kranjska Gora ins Ziel. Nachdem sie in dieser Saison bei zwei UTMB-World-Series-Rennen (Tenerife Blue Trail und Trail 100 Andorra, jeweils DNF) gescheitert war, darf sie sich über diesen Erfolg zum Saisonende umso mehr freuen. Bei den Herren siegte Robert Hajnal. Thomas Ungethüm aus dem Vogtland erreichte einen starken fünften Platz.

Über 80 Kilometer spielte sich kurz vor Schluss ein regelrechtes Drama ab. Lange Zeit sah Juliane Rösler vom Team Schamel wie die sichere Siegerin aus. Doch dann, drei Kilometer vor dem Ziel, der Schock: Die Augsburgerin konnte aufgrund starker Magenschmerzen keinen Schritt mehr gehen und war gezwungen, ihr Rennen aufzugeben – in Führung liegend und mit dem rettenden Ziel vor Augen. Ganz bitter. Profiteurin war die stark laufende Juli Brüning. Die Craft-Athletin lief ein cleveres Rennen, machte stetig Plätze gut und sicherte sich am Ende den verdienten Sieg. Bei den Herren setzte sich Karol Siola aus Polen durch.

Auf der 50-Kilometer-Distanz glänzten zwei junge Schweizerinnen. Die 28-jährige Natalina Neuenschwander sicherte sich den Sieg, während die ebenso junge Nadja Fässler als Dritte aufs Podium lief. Bei den Herren belegten die deutschen Läufer Simon Krammig und Mathias Heitauer die Plätze neun und zehn.

Auch auf den kürzeren Distanzen gab es Erfolge: Der österreichische Berg- und Straßenläufer Wendelin Mörtendorfer vom Run2Gether-Team gewann über 25 Kilometer, und über 21 Kilometer setzte sich die erst 21-jährige Münchnerin Julia Rath (Dynafit) durch.

erfolgreiche deutsche Frauen in Slowenien: Juli Brüning, Julia Rath und Miria Meinheit © Julian Alps Trail Run

Wildstrubel by UTMB

Im Herzen der Schweizer Alpen, entlang der Grenze zwischen den Kantonen Wallis und Bern, findet der Wildstrubel by UTMB statt. Ziel aller Rennen ist das Skigebiet Crans-Montana, unweit von Sierre.

Bereits am Freitag fiel der Startschuss für den Wild 70 über 70 Kilometer und 4600 Höhenmeter. Bei den Damen sorgte eine Deutsche für die Überraschung: Julia Blaesdale. Vielen dürfte ihr Name kaum bekannt sein, da die ehemalige Profi-Leichtathletin seit Jahren in Großbritannien lebt. Zu ihrer aktiven Zeit startete sie noch für Team GB – etwa bei den Olympischen Spielen 2012. Doch Blaesdale besitzt dank ihrer deutschen Mutter seit Geburt zwei Staatsbürgerschaften und entschied sich 2016, künftig für Deutschland zu laufen. Bei den Herren triumphierte Gian-Marchet Schicktanz. Der für seine kompromisslosen Trainingsmethoden bekannte Brooks-Athlet aus der Schweiz ließ sein DNF beim CCC vor wenigen Wochen schnell vergessen machen.

Über die 50 Kilometer überzeugte Dominik Hohenleitner, der am Vortag noch Schicktanz supportet hatte, mit einem respektablen achten Platz. Weniger rund lief es für Johannes Wingenfeld. Der Halter der Jubiläumsgrat-FKT musste das Rennen vorzeitig beenden – nur fünf Tage nachdem er eine neue Bestzeit auf dem Mittenwalder Höhenweg aufgestellt hatte.

Gian Marchet Schicktanz und Julia Blaesdale gewinnen den Wild 70 beim Wilstrubel by UTMB ©Wildstrubel by UTMB

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