Was bleibt, was ist neu? Eine Analyse der Golden Trail World Series 2026

Am 06. Februar veröffentlichte die Golden Trail World Series ihren Wettkampfkalender 2026. Dieser enthält Altbewährtes und Neues. Die doch recht späte Veröffentlichung des Kalenders wirft außerdem Fragen auf. Unsere Analyse.

Zur Erinnerung: Was ist die Golden Trail World Series?

Die Golden Trail World Series wurde 2018 von Salomon ins Leben gerufen. Die Rennserie umfasst üblicherweise acht Rennen und ein Finalrennen, in denen Punkte für den Gesamtsieg gesammelt werden können. Die GTWS hat den Sport Trailrunning entscheidend mitgeprägt und tut das bis heute. Sie zeigt bildstarke und actionreiche Live‑Übertragungen sowie zeitgemäßen Social‑Media‑Content von einigen der weltweit besten Trailrunner, die auf manchen der traditionsreichsten Trails der Welt an ihr Limit gehen. Sie konzentriert sich im Gegensatz zu anderen Serien eher auf die kürzeren Distanzen bis zum Marathon. Namenhafte Siegerinnen und Sieger der Vergangenheit sind unter anderem Kilian Jornet, Ruth Croft, Rémi Bonnet, Maude Mathys, Stian Angermund, Elhousine Elazzaoui und Judith Wyder.

Was bleibt unverändert, welche Rennen sind neu dabei, welche sind nicht mehr Teil der GTWS?

Die beiden ikonischsten Rennen der Serie, Zegama-Aizkorri und Sierre-Zinal, sind weiterhin Bestandteil der GTWS. Für deutschsprachige Fans besonders interessant: Auch der Pitz Alpine Glacier Trail wird nach seiner Premiere im letzten Jahr erneut ein Rennstopp der Serie sein. Ebenso erneut dabei sind das Ledro Sky Trentino (letztes Jahr das Finalrennen) und das Jinshanling Great Wall Trail Race. Ganz neu im Kalender: Myoko Trail (Japan), Muju Trail (Südkorea-Premiere) und Quebec Mega Trail (Kanada-Premiere).

Damit sind der Kobe Trail, das Broken Arrow Skyrace, der Il Golfo dell’Isola Trail und der Tepec Trail nicht mehr mit von der Partie. Besonders das Ende letzten Jahres bekannt gewordene Engagement von ACG (Nike) beim Broken Arrow Skyrace dürfte einer erneuten Teilnahme an einer Serie von Salomon im Weg gestanden haben. Ein nordamerikanischer Ersatz stellt der kanadische Quebec Mega Trail dar, wobei die USA erstmalig seit Jahren leer ausgehen.

    • 17. Mai: Zegama – Aizkorri (Spanien). 42 km / +2,736 m
    • 24. Mai: Ledro Sky Trentino (Italien). 21,5 km / +1,777 m
    • 5. Juli: Quebec Mega Trail (Kanada). 32 km / +1,450 m
    • 1. August: Salomon Pitz Alpine Glacier Trail (Österreich). 23,5 km / +1,700 m
    • 8. August: Sierre-Zinal (Schweiz). 31 km / +2,200 m
    • 20. September: Myoko Trail (Japan). 23,5 km / +1,783 m
    • 27. September: Jinshanling Great Wall Trail Race (China). 24 km / +1,893 m
    • 24-25 Oktober: Muju Trail Grand Finale (Südkorea). 26 km / +2,122 m

Regelmäßiger GTWS-Läufer Philemon Kiriago. Foto: Golden Trail World Series

Was ist außerdem neu im Jahr 2026?

  • Das Preisgeld für die Elite-Athlet:innen wurde stark erhöht. Insgesamt werden über die ganze Saison 435.000 Euro ausgelobt (letztes Jahr 300.000). Der und die Overall-Sieger bekommen am Saisonende 30.000 Euro (letztes Jahr 15.000).

  • Auch 2026 wird es bei jedem Rennen wieder Segmente geben für Uphill, Downhill und Sprint. Erstmalig kann man auf diesen Abschnitten Punkte für die Gesamtwertung erringen.

  • Auch erstmalig in 2026 wird es ein Team-Ranking geben. Die Top Zwei Männer und Frauen eines jeden Marken-Teams können pro Rennen Punkte für diese Wertung erlaufen.

  • Des weiteren kündigte der Veranstalter einen Ausbau der Dopingkontrollen an. Dazu gehören auch Out-Of-Competition-Kontrollen.

Warum wurde der Rennkalender so spät veröffentlicht?

„Was ist da los bei der GTWS?“ Das fragten sich nicht wenige Szenekenner und Journalisten in den ersten Wochen dieses Jahres. Der Grund: Normalerweise wurde der Rennkalender seit der Erstaustragung der Serie im Jahr 2018 spätestens im Dezember bekanntgegeben. Warum dauerte es dieses Mal so viel länger? Eine entsprechende Nachfrage von Alles Laufbar bei den Veranstaltern der Serie blieb im Januar unbeantwortet. Unsere Kontaktaufnahme zu einem GWTS-Rennveranstalter verlief ebenfalls wortkarg. Man hielt sich bedeckt. Ist das nicht ungewöhnlich für ein Serienformat mit einem globalen Anspruch wie der GTWS? In einer Zeit, in der es für Athletinnen und Athleten immer komplexer wird, eine Saisonplanung durchzuführen, die den sportlichen, finanziellen und privaten Interessen und Verpflichtungen gerecht wird?

Die Gesamtsiegerin der GTWS 2025 Madalina Florea. Foto: Golden Trail World Series

Welche Rolle spielt die Partnerschaft mit Warner Bros. Discovery?

Ob die im April 2025 verkündete Partnerschaft zwischen Salomon und Warner Bros. Discovery (WBD) Sports damit zu tun haben könnte, ist ungewiss. Der Hintergrund: Warner Bros. Discovery (dazu gehören Eurosport, discovery+, Max, TNT Sports, Joyn) übernimmt „die Produktion, internationale Distribution sowie die lokale Ausstrahlung der GTWS‑Rennen in zahlreichen Märkten“. Damit soll eine hochwertige Live‑Übertragung in über 100 Ländern im TV‑ und Streamingmarkt ermöglicht werden. Man braucht wenig Phantasie, um daraus zu schlussfolgern, dass das Potenzial einer erhöhten Sichtbarkeit und globalen Reichweite die finanziellen Begehrlichkeiten der beteiligten Akteure hat anwachsen lassen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Lizenzgebühr, welche von den Rennen in diesem Jahr gefordert wurde noch einmal deutlich gestiegen ist. Ob alle Veranstalter bereit waren diese zu zahlen, bleibt fraglich. Dies könnte die Verhandlungen und die Fertigstellung des Kalenders verzögert haben.

 

Wie attraktiv ist die GTWS für Fans und Rennveranstalter?

Die GTWS ist nach wie vor eine der attraktivsten Rennserien in unserem Sport. Insbesondere was die Qualität der Live‑Übertragungen anbelangt, setzt die GTWS seit Jahren Maßstäbe. Mit der Partnerschaft mit Warner Bros. Europe dürfte sich die Qualität der Übertragungen noch einmal verbessern. Für absolut eingefleischte Fans, die die einzelnen Rennen der Serie in ihrer Gesamtlänge schauen möchten und bereit sind, dafür ein Abonnement abzuschließen, ist das sicherlich ein Gewinn. Abseits der (noch) überschaubaren Gruppe der Die-Hard-Fans, stellt sich die Frage, ob die Strahlkraft der GTWS tatsächlich so hoch ist, dass eine signifikante Zahl von mittelmäßig interessierten Fans beispielsweise ein Eurosport‑2‑Abo abschließt (wie es in Deutschland nötig wäre), um den Livestream eines Eliterennens zu verfolgen, bei dem ein kleiner geschlossener Kreis von GTWS‑Eliteathleten teilnimmt, die außerhalb der Serie sportlich wenig bis kaum in Erscheinung treten? Wohl kaum.

Die Strecke des Jinshanling Great Wall Trail Race. Foto: Golden Trail World Series

Veranstalter dürften sich ebenfalls fragen, worin der eigentliche Mehrwert für sie liegt. Ist die GTWS prestigeträchtig genug? Ist die Teilnahme an der Serie das hohe Investment wert? Ist die potenzielle Reichweite einer Übertragung in über 100 Länder vielversprechend genug, um den Glauben daran zu schüren, dass in Zukunft Trailrunner und Touristen die Region bereisen werden? Oder zeigen nicht ehemalige GTWS-Rennen wie der Marathon du Mont-Blanc, dass es bei der stetig wachsenden Popularität des Sports auch eigenständig, ohne Serienangehörigkeit geht?

Für Athletinnen und Athleten bleibt die GTWS unverändert eine gute Möglichkeit, sich auf höchstem sportlichen Niveau zu messen – und beachtliches Preisgeld abzusahnen.

Schon jetzt steht fest: Die Sieger aus dem letzten Jahr, Elhousine Elazzaoui und Madalina Florea haben zugesagt ihren Titel 2026 verteidigen zu wollen.

Wie geht es weiter mit der GTWS?

Der Trend zeigt, dass die GTWS künftig weniger eurozentrisch, sondern globaler und vor allem asiatischer ausgerichtet sein wird. Der internationale Anspruch der Serie, die nicht ohne Grund das Wort „World“ in sich trägt, wird sich in den kommenden Jahren zunehmend im Rennkalender niederschlagen. Noch 2023 waren sämtliche Rennen der Serie in Westeuropa und den USA. 2024 hat die Serie zum ersten Mal zwei Stopps in Asien eingebaut. 2026 sind es bereits drei asiatische Rennen (inklusive dem Finale). Das verändert die GTWS (so wie wir Mitteleuropäer sie kennengelernt haben) und wird sicher manche hiesigen Fans enttäuschen. Für Trailrunning‑Fans und Elite‑Athletinnen und -Athleten beispielsweise in Asien sind das gute Nachrichten:  Der Trailrunning‑Zirkus kommt ab sofort zu ihnen.

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