Mizuno Neo Accera

Produktdaten

Gewicht290 Gramm (unisex)
Sprengung8 mm
Preis190 Euro

Mit dem Neo Accera hat Mizuno seinen bisher innovativsten Trailrunningschuh auf den Markt gebracht, der sich an den erfolgreichen Straßenlaufmodellen der japanischen Traditionsmarke zu orientieren scheint. Die markante Zebra‑Farbgebung erinnert beispielsweise an den Wave Rebellion Pro, einen High‑Performance‑Straßenlaufschuh aus dem Jahr 2023. Auch beim Neo Accera handelt es sich um einen Wettkampfschuh. Er ist, laut Hersteller, für all jene gemacht, „die ein müheloses Laufgefühl wünschen, um ihre Leistung in Rennen zu verbessern.“

Haben wir es hier mit einem High‑Performance‑Schuh für die Trails zu tun? Nein — nach gängiger Definition würden wir den Neo Accera nicht in diese Kategorie packen, denn ein dafür wichtiges Kriterium fehlt: das versteifende Element in der Mittelsohle. Alles andere ähnelt der High‑Performance‑Kategorie sehr: die üppige, weiche und dennoch reaktive Mittelsohle, eine (wenn auch nicht übertrieben auffällige) Rockerform und eine insgesamt auf Effizienz und Leistung aufgebaute Konstruktion. Aber der Reihe nach.

Die Mittelsohle ist ein Traum, das muss man so sagen. Der mit Stickstoff infundierte Mizuno Enerzy NXT‑Schaum dämpft, federt und wippt, was das Zeug hält. Hier gibt es viel Dynamik und Energierückgabe, die auch ohne integrierte Platte ordentlich Vortrieb verschafft. Zieht man das Tempo an, fühlt sich das Laufen im Schuh flink und schnell an. Sobald der Fuß im Dämpfungsbett einsinkt, wird er wieder nach vorne katapultiert — Erinnerungen an einen guten Straßenlaufschuh werden wach. Ebenso positiv: Der Schuh ermöglicht auch langsamere Tempi; die Dämpfung bleibt auch bei längerer Bodenkontaktzeit kontrollierbar. Das Gewicht von 290 g (Mustergröße) würden wir als gerade noch akzeptabel für diese Schuhklasse bewerten, auch wenn ein paar Gramm weniger nicht schaden würden.

Auffällig ist die recht schmale, nach vorn enger werdende Passform des Neo Accera. Gerade bei leichtem Gefälle, wenn die Zehen mehr Raum beanspruchen, wird es eng. Trailrunner mit breiter Fußform werden mit dem Mizuno Probleme bekommen; alle anderen sollten ihn unbedingt anprobieren. Auch hier zeigt sich: Der 190 Euro teure Neo Accera ist ein Rennschuh, der bei der Passform bewusst auf Komfortmaßnahmen verzichtet, um Leistung zu optimieren. Es gibt genug Trailrunner, die im Wettkampf eine kompakte, dadurch gut kontrollierbare Zehenbox schätzen.

Mizuno Neo Accera vs. La Sportiva Prodigio Pro

Vergleichbar mit

La Sportiva Prodigio Pro

Diese beiden Modelle ähneln sich in ihrer Grundidee sehr. Beide verstehen sich als Wettkampfschuhe, wollen Vortrieb und Tempo ermöglichen und verzichten auf ein versteifendes Karbonelement. Wir würden den Prodigio Pro wegen seines deutlich geringeren Gewichts (um 30 g leichter) noch mehr im Spitzenbereich ansiedeln. Beide Dämpfungsschäume haben uns überzeugt und bieten ähnlich viel Energierückgabe. Auf technischen Trails sehen wir den La‑Sportiva‑Schuh im Vorteil: Das Obermaterial des Prodigio Pro bietet spürbar mehr Stabilität und Halt. Insgesamt empfinden wir den Prodigio Pro als geländetauglicher. Und preislich? Kaum ein Unterschied — der Mizuno ist nur etwa 10 Euro günstiger.

Das Obermaterial ist aufs Wesentliche reduziert und minimalistisch gehalten: ein weiches Mesh, das nur im Fersenbereich leicht verstärkt ist. Die angedeutete Fersenkappe ist flexibel und beweglich. Vorne gibt es einen simplen Zehenschutz, der Rest des Uppers ist weich und dünn — gut für Atmungsaktivität im Sommer, auf technischeren, weniger laufbaren Trails allerdings eine Herausforderung. Die klassische Schnürung muss sehr eng angezogen werden, damit sich der Lockdown im Schuh wirklich „trail‑ready“ anfühlt. Schon auf leichten Trails setzt der Mizuno einiges an Stabilität und Lauftechnik des Trailrunners voraus. Insbesondere ambitionierte Läufer mit Erfahrung in High‑Performance‑Schuhen dürften mit dem Neo Accera allerdings auch im Gelände gut zurechtkommen. Einsteigern empfehlen wir eine Gewöhnungsphase auf gut laufbaren, ausgebauten Wegen.

Die Vibram‑Außensohle funktionierte bei trockenen Bedingungen auf sämtlichen Untergründen sehr gut. Auf weichem, nassem Boden stoßen die breit ausfallenden Lugs allerdings an ihre Grenzen: Die Stollen greifen dann schlecht im Boden, und auch die beste Gummimischung der Branche hilft wenig. Hier würden wir uns für die nächste Version eine Überarbeitung der Stollenform wünschen.

Fazit: Mit dem Neo Accera gelingt Mizuno ein großer Innovationssprung — das Modell sticht in vielerlei Hinsicht positiv aus dem bisherigen Portfolio der Japaner heraus. Der Neo Accera ist ein schneller Wettkampfschuh, dessen größte Stärke die üppig gedämpfte, energierückgebende Mittelsohle ist.

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