„Warum?“ Diese Frage stellt mir meine knapp dreijährige Tochter derzeit permanent. Egal, was ich antworte, zum Beispiel auf die Frage, warum es nachts dunkel wird, warum Gummibärchen so lecker schmecken oder warum Papas Laufschuhe so schmutzig sind, sie gibt sich mit keiner Antwort zufrieden. Es folgt zuverlässig die anschließende Nachfrage: Warum? Über diese unersättliche kindliche Neugierde haben Comedians bereits Sketche geschrieben. Abseits der fraglos vorhandenen Komik fordert mich das nagende Nachbohren mitunter dazu auf, tatsächlich genauer über die tieferen Zusammenhänge von allem nachzudenken. Ja, Kinder sind kleine Philosophen, die mit ihrem Warum eine essenziell wichtige Frage stellen. Kürzlich hat mich meine Tochter gefragt, warum ich laufe.
Ich: Na ja, ich laufe eben gerne.
Sie: Warum?
Ich: Es macht mir Spaß.
Sie: Warum?
Ich: Weil ich mich gerne an der frischen Luft bewege.
Sie: Warum?
Ich: Weil ich mich dann gut fühle.
Sie: Warum?
Und so weiter …
Auf der anschließenden Hausrunde habe ich mich selbst befragt. Warum laufe ich eigentlich genau? Ich möchte eine möglichst präzise Antwort von mir hören. Kein Drumherumgerede, Floskeln verboten. Nach einigen Kilometern Grübeln habe ich meine Antwort gefunden.
Ich laufe, um zu hoffen.
Ein kürzlich bei iRunFar erschienener Artikel der Läuferin und Philosophin Sabrina Little (in dieser Vom Laufen-Folge sprachen wir bereits über sie) mit dem Titel „Training is a hopeful act“ hat mir den Gedankenanstoß dazu gegeben. Jeder Lauf ist ein Ausdruck von Hoffnung, oder sagen wir, der Ausdruck eines Wunsches nach einem hoffnungsvollen Dasein.
Genau das ist mein Warum. Exakt deswegen laufe ich. Was ist damit gemeint?



