Preview WMTRC Canfranc – DLV-Team muss Ausfälle verkraften

Am Mittwoch wird die Berglauf- und Trailrunning-Weltmeisterschaft in Canfranc mit einer großen Eröffnungsfeier offiziell eröffnet. Am Donnerstag starten die Wettbewerbe. Das deutsche Team musste leider schon vor der Anreise einige Ausfälle verkraften. Wer nun letztendlich für Deutschland an den Start geht und wie wir die Chancen der deutschen Läuferinnen und Läufer einschätzen, erfahrt ihr in unserer WM-Preview.

Team Deutschland Long Trail

Frauen

Katharina Hartmuth und Lisa Wimmer mussten beide kurzfristig ihren WM-Start absagen. Sie laborieren noch an Verletzungen. Auch die ursprünglich als Ersatzläuferin vorgesehene Juliane Rößler wird nicht nach Canfranc reisen. Ein Einspringen der ausdrücklich als Ersatzläuferin vorgesehenen Team Schamel-Athletin wäre – laut Bekanntgabe des DLV an die Athletin – nur bis zum 17.09. möglich gewesen. Enttäuschende Nachrichten, die das ursprünglich stark besetzte Long-Trail-Damenteam empfindlich schwächen.

  • Lotti Brinks reist aus den USA an. Die Hoka-Athletin hat nach dem Ausfall von Katharina wohl die größten Chancen der deutschen Long-Trail-Damen auf eine Top-Platzierung. Nach ihrem 6. Platz beim CCC kommt sie mit viel Selbstvertrauen nach Canfranc. Entscheidend wird sein, wie gut sie die 100-Kilometer-Belastung regeneriert hat.

  • Rosanna Buchauer hat ebenfalls gute Chancen auf eine Spitzenplatzierung. Beim OCC lieferte sie mit Platz 11 eine starke Leistung ab, obwohl ihr der Kurs nicht wirklich lag. Der lange und schwere WM-Kurs dürfte ihr deutlich besser entgegenkommen. Zwei Mal wurde Rosanna bereits Fünfte bei einer WM. Eine Wiederholung dieser Leistung im immer stärker werdenden Feld wäre sensationell.

  • Ida-Sophie Hegemann konnte nach ihrer Knöchelverletzung beim TDS glücklicherweise schnell wieder ins Training einsteigen. Sie ist schon seit einigen Tagen in Canfranc vor Ort und macht sich mit der Strecke vertraut. Die Saison begann mit einem Sieg beim Grand Raid Ventoux by UTMB erfolgreich. Auch beim Kaiserkrone Ultratrail und dem P60 des Pitztal Alpine Glacier Trails konnte Ida-Sophie gewinnen. Dazwischen: Ein DNF beim ZUT 100. Auch bei TDS, wie eingangs erwähnt, musste Hegemann trotz gutem Rennverlaufs in der zweiten Rennhälfte aussteigen.

  • Eva Sperger ist die erfahrenste Läuferin im Team. Die Salomon-Athletin hat sich erneut sehr gewissenhaft und spezifisch auf die WM vorbereitet. Der anspruchsvolle Kurs dürfte der alpin-affinen Athletin entgegenkommen.

Ida-Sophie Hegemann auf dem WM Kurs in Innsbruck vor zwei Jahren © Roast Media

Herren

Mit Pierre Emmanuel Alexandre musste leider ausgerechnet der Athlet mit den wohl besten Chancen auf eine Top-Platzierung seinen Start absagen. Eine Blinddarm-OP in der unmittelbaren Vorbereitung machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

  • Johannes Dörr ist ein hoffnungsvoller Nachwuchsathlet, wohnhaft in Innsbruck. Beim IATF gewann er eindrucksvoll die 110-Kilometer-Distanz. Über den Sommer bestritt er kaum Wettkämpfe – der 24-Jährige dürfte sich voll und ganz auf die WM fokussiert haben. Wir sind gespannt.

  • Manuel Hartweg wurde 2024 Deutscher Ultratrail-Meister. Beim Mozart 100 im Juni und beim IATF im April belegte er jeweils Rang drei. Der in der Schweiz lebende Athlet weiß, wie man lange Distanzen mit vielen Höhenmetern läuft.

  • Johannes Löw sicherte sich seinen WM-Platz mit einem starken zweiten Rang beim ZUT hinter Alexandre. Der Stuttgarter, wohnhaft in Innsbruck, ist ebenfalls ein erfahrener Athlet, vertraut mit langen Bergdistanzen.

  • Marcel Geißler verdiente sich seinen WM-Startplatz mit Rang zwei beim IATF 110K. Seitdem war es wettkampfmäßig ruhig um den The-North-Face-Athleten. Sein Fokus liegt zu hundert Prozent auf dieser WM. Für ihn ist es, wie für die anderen drei, die erste WM-Teilnahme.

Team Deutschland Short Trail

Frauen

 

  • Sarah Kistner ist aktuell in Topform. Die junge Salomon-Athletin erlebt wohl das Jahr ihres Lebens. Mit Siegen in Innsbruck, Ötztal und Zillertal bewies sie ihre nationale Klasse. Eine Top-Ten-Platzierung im international hochkarätigen WM-Feld wäre dennoch eine Überraschung. Beim GTWS-Rennen im Pitztal wurde Sarah 15.

  • Daniela Oemus erkämpfte sich vor zwei Jahren noch ihre Nachnominierung ins WM-Team – mit einem sensationellen Sieg in Zegama. Mit diesem Erfolg im Rücken lief sie bei der WM in Innsbruck auf Rang sechs. Ein Top-Ten-Resultat in Canfranc wird auch diesmal das  Ziel der ehrgeizigen Thüringerin sein.

Herren

  • Marc Dürr ist der nominell stärkste Läufer im deutschen Short-Trail-Männerteam. Über seine derzeitige Form lässt sich nur spekulieren. Diesen Sommer bestritt er kein Rennen, das mit der WM-Strecke vergleichbar wäre. Beim GTWS-Rennen im Pitztal (20 km) wurde er 19.

  • Moritz auf der Heide ist vielleicht der erfahrenste Teilnehmer im ganzen Team. Es ist seine mittlerweile vierte WM-Teilnahme. Der Salomon-Athlet hat sich akribisch vorbereitet und sollte in Topform sein. „Die Konkurrenz ist absurd. Top 30 wäre ein Riesenerfolg“, sagt er selbst. Wir trauen ihm mehr zu.

  • Johannes Ostfalk qualifizierte sich über seinen starken 3. Platz in Naturns für die WM. Der Franke hat seine gesamte Saisonplanung auf das Großereignis ausgerichtet. Schon die Teilnahme ist für ihn ein Riesenerfolg.

Moritz auf der Heide bei der Berglauf WM 2019 in Argentinien. An seiner Seite: Laura Dahlmeier, Florian Reichert und Benedikt Hoffmann © DLV

Team Deutschland Vertical

Frauen

  • Nina Engelhard ist amtierende Europameisterin im Berglauf sowie im Up-and-Down. Bei der WM trifft sie auch auf starke afrikanische Konkurrenz. Nichtsdestotrotz ist ihr eine Medaille absolut zuzutrauen. Nach einer Verletzungspause gewann Nina kürzlich den Nebelhornberglauf in Streckenrekordzeit.

  • Laura Hottenrott wurde beim Nebelhornberglauf Zweite – mit zwei Minuten Rückstand auf Engelhard. Die Marathon- und Trailläuferin zeigte am Eiger und bei Sierre-Zinal, dass sie auch über längere Distanzen internationales Top-Niveau abrufen kann. Beim WM-Short-Trail vor zwei Jahren musste sie allerdings noch aufgeben. Diesmal entschied sie sich ausschließlich für die Vertical-Distanz.

  • Madlen Kappeler läuft ihre erste WM. Die Triathletin und Trailläuferin qualifizierte sich mit einem starken zweiten Platz beim Naturns Skyrace. Sie komplettiert das starke Vertical-Damenteam, auch wenn sie das sportliche Niveau ihrer beiden Teamkameradinnen wohl nur schwer wird erreichen können.

Berglauf-Classic Europameisterin 2024: Nina Engelhard

Herren

Auch die wohl größte deutsche Medaillenhoffnung neben Nina Engelhard musste seine Teilnahme absagen: Lukas Ehrle erhielt kurzfristig keine Freigabe von seiner Universität in den USA, für die er im gleichen Zeitraum an einem Wettkampf teilnehmen muss.

  • Dominik Notz, Tobias Ulbrich und Gabriel Wimmer laufen den Vertical für Deutschland. Notz und Wimmer qualifizierten sich über ihre Leistungen beim Nebelhornberglauf (Platz 2 und 5). Ulbrich siegte überraschend beim Tegelberglauf, Wimmer lief dort auf Rang zwei. Alle drei kommen eher aus dem Straßenlauf und sind in der Trailszene bislang wenig bekannt. Mit Julius Ott stößt zudem ein erfahrener Trailläufer zum Team. Der Wahl-Grazer war ursprünglich nur als Ersatzläufer nominiert, wird aber voraussichtlich Lukas Ehrle ersetzen.

Team Deutschland Classic

Frauen

  • Nina Engelhard und Madlen Kappeler starten auch über die Classic-Distanz. Dazu gesellt sich Kim Strohmann, die beim Sichtungslauf in Naturns Rang fünf erreichte. Chancen auf eine Top-Platzierung hat allerdings wohl nur Nina Engelhard.

Herren

  • Der vielseitige Julius Ott startet ebenfalls über die Classic-Distanz. Mit Sicherheit wäre er aber auch auf dem Short oder Long Trail international konkurrenzfähig. Konstantin Wedel und Max Zeus komplettieren das Classic-Team. Wedel, erfolgreicher Leichtathlet, überzeugte dieses Jahr auch auf dem Trail: Über 15 Kilometer an der Zugspitze siegte er, beim Sichtungslauf in Naturns wurde er Vierter. Eine Top-Ten-Platzierung einer der drei deutschen Läufer über die Classic-Distanz wäre eine große Überraschung.

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