Zahlen und Storylines vom Hardrock 100, Trail Verbier St. Bernard, PIUT und Strahlenburgtrail

Immer montags präsentieren wir euch die Zahlen des vergangenen Wettkampfwochenendes. Hinter jeder Zahl verbirgt sich eine kleine Geschichte, die interessant, spannend, lustig oder einfach nur informativ ist. An diesem Wochenende schauen wir auf den Hardrock 100, Trail Verbier St. Bernard, PIUT und Strahlenburgtrail.

32:39 STUNDEN Durchbeißen

Katharina Hartmuth ist zum zweiten Mal hintereinander Dritte beim prestigeträchtigen Hardrock 100 Endurance Run in Colorado, USA, geworden. Und das, obwohl sie nach einer langwierigen Verletzung erst 5 Wochen vor dem Start wieder anfangen konnte zu wandern (bzw. ein paar Tage später bergauf zu laufen). Man könnte, zumindest in Sachen Laufkilometern, sagen: Von Null auf Hardrock in 5 Wochen!

Ähnlich wie im Vorjahr, wo sie im Vorfeld ebenfalls körperliche Probleme infolge eines Sturzes zu bewältigen hatte, waren die Vorzeichen vor dem Hardrock dementsprechend ungewiss. Nach holprigen ersten 40 Kilometern mit Magen- und Knieproblemen, aber einem ganz guten Mittelteil des Rennens, eskalierten die Probleme offenbar am Grand Swamp Pass, der etwa bei Meile 87 (Kilometer 140) liegt. Wie im Vorjahr waren die Augen das Problem. Ihr Sehvermögen nahm so stark ab, dass sie, wie sie auf Strava schreibt, „praktisch blind“ wurde. Kein guter Zustand bei einem der anspruchsvollsten 100-Meiler der Welt, der auf einer durchschnittlichen Höhe von 3.400 Metern verläuft. Im iRunFar-Interview nach dem Rennen beschreibt die Hoka-Athletin, dass sie infolgedessen mehrfach gestürzt sei, obwohl ihre Pacerin ihr bei der Navigation geholfen hat. Downhill wurde ihre Pace auf ein langsames und vorsichtiges Gehen reduziert. In der anschließenden, vorletzten VP des Rennens („KT“), ließ sich Katharina Hartmuth medizinisch versorgen. „Mir war wichtig, dass ich keine langfristigen Folgen riskiere“, sagt die Wahl-Züricherin bei iRunFar. Warum sie trotzdem weitermachen wollte? Für Hartmuth ganz klar: „It’s Hardrock“. Frustriert und enttäuscht zwar, aber entschlossen zu finishen, kämpft sie sich über die letzten Berge ins Ziel in Silverton, wo sie am berühmten Stein als Drittplatzierte in Tränen ausbricht – übrigens am Vortag ihres 30. Geburtstags.

Sind alle guten Dinge drei? Sie kommt wieder, da ist sich Katharina Hartmuth sicher. Eine wichtige Frage, ist derzeit allerdings noch offen. Reicht die Leistung beim Hardrock für die Teilnahme an der Weltmeisterschaft im September? Der dafür zuständige DLV hatte sie „unter Vorbehalt der Erbringung eines Leistungsnachweises“ beim Hardrock nominiert. Wir (und Katharina Hartmuth) dürfen gespannt sein.

Katharina Hartmuth. © Hardrock 100 Endurance Run

FÜNFTSCHNELLSTE Zeit kurz vor dem 50. Geburtstag

Ludovic „Ludo“ Pommeret ist ein Phänomen. Nur wenige Tage vor seinem 50. Geburtstag gewinnt der Franzose erneut den Hardrock 100, nachdem er letztes Jahr bereits mit Streckenrekord gewinnen konnte. Dieses Jahr ist seine Zeit ebenfalls verdammt schnell – die fünftschnellste aller Zeiten. Seine beiden deutlich jüngeren Landsmänner Mathieu Blanchard (37) und Germain Grangier (35) lässt „Ludo“ an diesem Tag keine Chance. Pommeret ist eine Klasse für sich. Niemand Geringeres als Jim Walmsley und Vincent Bouillard haben den Routinier als Pacer unterstützt – ein Team aus drei UTMB-Champions.

Besonders in den Downhills habe Pommeret früh erste Ausrufezeichen gesetzt, erinnert sich der drittplatzierte Germain Grangier im Freetrail-Podcast. Keiner wollte oder konnte „Ludo“ folgen. Nach 22:21 Stunden läuft Ludovic Pommeret in Silverton ein und küsst traditionell den dort aufgestellten Stein. Der Hardrock 100 wechselt jedes Jahr die Laufrichtung zwischen im Uhrzeigersinn und gegen den Uhrzeigersinn. Beide hat der 49-Jährige gewonnen. „Jetzt braucht der Hardrock eine dritte Richtung“, hört man ihn im Ziel scherzen.

Das französische Podium von links nach rechts: Germain Grangier, Ludovic Pommeret, Mathieu Blanchard. © Hardrock 100 Endurance Run

VIERUNDZWANZIG Minuten schneller als Courtney

Katie Schide gewinnt den Hardrock 100 überlegen und unangefochten in einer neuen Streckenrekordzeit von 25:50 Stunden – 24 Minuten schneller als Courtney Dauwalter, die 2023 diese Laufrichtung gelaufen ist. Warum immer wieder der Katie-Courtney-Vergleich? Die beiden dominierenden Frauen auf der 100-Meilen-Distanz sind das letzte Mal 2023 aufeinandergetroffen. Seitdem sehnen sich Trailrunning-Fans weltweit nach einem erneuten direkten Duell. Ob es möglicherweise noch dieses Jahr beim UTMB dazu kommen wird? Zumindest scheint Katie Schide das nicht auszuschließen. Courtney Dauwalter ist in Chamonix am Start. Mit ihrem Sieg am Wochenende ist Katie erst der dritte Mensch, der die vier prestigeträchtigsten 100-Meiler (UTMB, Western States, Diagonale des Fous und Hardrock) gewinnen konnte – die beiden anderen: Kilian Jornet und natürlich Courtney Dauwalter.

Eine trauriges Ereignis ereignete sich zu Beginn des Hardrock 100: Die Teilnehmerin Elaine Stypula verstarb auf der Rennstrecke infolge eines nicht näher beschriebenen medizinisches Notfalls. Alle Versuche von Streckenpersonal und Bergrettung die sehr erfahrene Läuferin zu reanimieren, blieben leider erfolglos. Uns Beileid gilt den Hinterbliebenen von Elaine.

Katie Schide. © Hardrock 100 Endurance Run

1800 negative Höhenmeter ins Ziel

Dominik Hohenleitner feiert beim Trail Verbier St. Bernard by UTMB möglicherweise den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere. Der Salomon-Athlet setzt sich auf der Marathondistanz gegen ein stark besetztes internationales Feld durch – darunter Konkurrenten aus Norwegen, Italien und den USA, die allesamt höhere UTMB-Scores vorweisen konnten als er. In einer beeindruckenden Zeit von 4:35:53 gewinnt er das Rennen souverän.

Ein Blick auf die Renndaten unterstreicht die Leistung: 3000 Höhenmeter, höchster Punkt auf 3078 Metern. Entscheidend für den Rennverlauf war vor allem der 15 Kilometer lange Downhill zwischen Kilometer 22 und 37. Hier mussten 1800 negative Höhenmeter am Stück vernichtet werden – ein Abschnitt, der Dominik besonders lag. Oben an der mächtigen Gletscherzunge des Corbassière-Gletschers lag er noch auf Rang drei, knapp hinter dem Norweger Anders Haga und dem Italiener Mattia Bertoncini. Doch im langen Downhill war niemand schneller als der Peißenberger. Und auch am finalen Anstieg mit weiteren 600 Höhenmetern hinauf nach Verbier lief er die schnellste Zwischenzeit. Eine perfekte Renneinteilung.

Ebenfalls erfreulich: Dioni Gorla läuft über die 75 Kilometer der X-Traversee-Distanz auf einen starken dritten Platz – nur drei Minuten hinter der zweitplatzierten Schwedin Anna Carlsson. Den Sieg sichert sich die 48-jährige Ultratrail-Legende Caroline Chaverot, Hardrock-100-Siegerin von 2017.

Dominik Hohenleitner im Ziel des Trail Verbier St. Bernard by UTMB © UTMB

ZWEI: Höhenweg-Doppelschlag

Erst vor zwei Wochen feierte Christian Stern – nach eigenen Worten – den „größten Erfolg seiner Karriere“. Beim Stubaier Höhenweg im Rahmen des Stubai Ultratrails triumphierte der gebürtige Stubaier in einem dramatischen Finale, als er nach über zwölf Stunden alpiner Schinderei die letzten Kilometer mit einer beeindruckenden 3:30er-Pace ins Tal lief.

Beim Paznaun Ischgl Ultratrail (PIUT) musste sich der Ausnahme-Trailrunner am vergangenen Wochenende nicht ganz so sehr sputen. Das noch junge Event – der PIUT fand erst zum zweiten Mal statt – führt durch alle vier Gemeinden des Paznauntals: Ischgl, Kappl, See und Galtür. Die anspruchsvolle 100-Kilometer-Distanz mit über 6000 Höhenmetern wurde in diesem Jahr erstmals ausgetragen und verläuft zu großen Teilen entlang des Paznauner Höhenwegs. Im Gegensatz zum Rennen auf dem Stubaier Höhenweg, bei dem die gesamte Route von Hütte zu Hütte führt, ging es hier aber mehrfach hinab ins Tal.

Bei den Damen sicherte sich die Deutsche Sonja Kinna den Sieg. Auch die Wahl-Kufsteinerin ist derzeit in Topform: Vor Kurzem wurde sie Zweite beim Koasamarsch und gewann zum Saisonstart die Lowa Trail Trophy. Sowohl Kinna als auch Stern durften sich über ein Preisgeld von jeweils 1000 Euro freuen.

Insgesamt waren beim PIUT rund 1000 Teilnehmende auf sechs verschiedenen Distanzen unterwegs.

Christian Stern auf den Trails des Paznauner Höhenweges ©PIUT

FÜNFUNDZWANZIG Prozent Steigung

25% Steigung? Das geht auch im Mittelgebirge.

Dass knackige Trails keine rein alpine Angelegenheit sind, bewies am Wochenende einmal mehr der Strahlenburgtrail. In Schriesheim bei Heidelberg wurde auf 13,6 Kilometern und 460 Höhenmetern ordentlich geschwitzt. Besonders die überarbeitete zweite Schleife des „King of the Hill“-Rennens hatte es in sich: komplett neu designt, gespickt mit flowigen Trailabschnitten zwischen Strahlenburg und Schauenburg – und einem super-steilen Anstieg durch die Weinberge, der es in Sachen Steigung locker mit so manchem alpinen Anstieg aufnehmen kann.

Neu war in diesem Jahr auch der Termin: Statt wie bisher im Oktober, wagten sich die Veranstaltenden diesmal an ein Datum Mitte Juli – und schreckten damit nicht vor der Konkurrenz zahlreicher alpiner Großevents zurück. Gut so. Denn über 300 Teilnehmende kamen in den Genuss feinster Odenwald-Trails. Die Schnellsten: Fabian Paradies und Michelle Hassel, die ihren Vorjahressieg eindrucksvoll verteidigte.

Das Mittelgebirge ist die Trail-Realität vieler unserer Leserinnen und Leser. Es gibt da draußen viele weitere großartige Mittelgebirgs-Events, wie den Strahlenburgtrail. Leider gehen sie in der breiten Alpen-Fokussierung manchmal unter – das wollen wir nicht! Ihr veranstaltet ein Trailrunning-Event im Mittelgebirge oder kennt jemanden, der das tut? Dann schickt uns unbedingt zeitnah nach eurem Event Bilder und Pressemitteilungen!

Steil hinauf im Odenwald © Strahlenburgtrail

UTMB Preview 2025 – Wer sind die Favoriten?

Nach positiver Dopingprobe: Dominik Matt vorläufig suspendiert