Was entscheidet einen Ultratrail? Ausdauer, klar. Eine hohe VO₂max, eine gute Schwelle, effiziente Fettverbrennung, eine ausgeklügelte Ernährungsstrategie. Vielleicht auch mentale Stärke. Wer lange und schnell laufen will, braucht schließlich einen leistungsfähigen Körper.
Doch je länger ein Rennen dauert und je komplexer das Gelände wird, desto weniger lässt sich die Leistung am Startzustand des Körpers erklären. Vielmehr geht es darum, mehrere Systeme gleichzeitig in einem leistungsfähigen Zustand zu erhalten. Die Frage ist also oft nicht, wie stark ein System ist, sondern vielmehr, wie robust es auf Dauer ist.
Robustheit bedeutet dabei nicht einfach, besonders viel auszuhalten. Ein robuster Körper ist nicht zwangsläufig der leistungsfähigste. Er ist vielmehr in der Lage, auch dann noch zu funktionieren, wenn einzelne Systeme bereits an ihre Grenzen kommen. Er kann Belastungen abfangen, Störungen kompensieren und seine Leistungsfähigkeit trotz zunehmender Ermüdung möglichst lange aufrechterhalten.
Nehmen wir einen Läufer bei Kilometer 30 eines Ultratrails, der Probleme mit den Waden bekommt. Sie machen mehr und mehr zu. Zunächst ist das vielleicht nur ein lokales Problem. Doch die Folgen bleiben nicht lokal. Andere Muskelgruppen müssen mehr arbeiten, weil die Waden den Dienst versagen. Die gesamte muskuläre Ermüdung steigt, die Muskeln arbeiten weniger ökonomisch. Das heißt: Um die gleiche Pace aufrechtzuerhalten, muss auch mehr Energie umgesetzt werden. Der Energiebedarf steigt, während es dem Läufer gleichzeitig schwerer fällt, sich entsprechend zu verpflegen. Auch der Kopf beginnt zu arbeiten. Die verbleibenden 40 Kilometer bis ins Ziel wiegen immer schwerer.
Aus einem muskulären Problem ist inzwischen ein energetisches, kardiovaskuläres und mentales Problem geworden.
Und genau darin liegt eine der Besonderheiten des Ultratrails: Die Systeme arbeiten nicht unabhängig voneinander.
Der Körper ist kein Baukasten, in dem man sechs oder sieben voneinander getrennte Fähigkeiten addiert. Er ist ein dynamisches System. Veränderungen in einem Teil wirken sich auf die anderen aus.
Robustheit beschreibt die Fähigkeit des Gesamtsystems, Störungen in einem einzelnen Teilsystem abzufangen, ohne dass daraus eine Kaskade entsteht. Doch welche Einzelsysteme sind bei einem Ultratrail entscheidend? Wir haben sieben definiert:



