Immer häufiger holen wir uns Unterstützung und ich finde das absolut legitim. Seien es Coaches, die uns in unserer Trainingsplanung unterstützen, oder die leidenschaftliche Supportcrew, die uns aufopferungsvoll durch die Verpflegungszone zerrt. Manchmal sogar vermeintlich gegen unseren Willen. Viel zu leicht fällt es da, zu glauben, dass die Verantwortung gar nicht mehr bei mir selbst liegt. Die Verantwortung für eine Überlastungsverletzung liegt bei meiner Trainerin, und dass ich stundenlang ohne Freude durch die schönsten Berge des deutschsprachigen Alpenraums krieche, liegt an meiner Crew, die mich nicht aufhält. Es ist verführerisch und vielleicht sogar logisch, die Verantwortung für unser Handeln in andere Hände zu übertragen. Doch egal, wie sehr wir schieben, die Verantwortung für unser Handeln bleibt letztlich immer bei uns. Niemand wird sie uns nehmen können.
Natürlich wird meine Trainerin immer auch einen Teil der Verantwortung haben, wenn sie mich auf die Strecke schickt, obwohl ich doch eigentlich schon seit Wochen am Limit bin, und das darf und sollte ich vielleicht sogar schlecht finden. Aber die Entscheidung, die Laufschuhe zu schnüren, treffe ich stets selbst. Genauso kann mich niemand zwingen, mich am Ende einer Verpflegungszone wieder auf die Wettkampfstrecke zu begeben. Immer kann ich mich entscheiden, sitzen zu bleiben. Vielleicht schaue ich dann in enttäuschte, ja sogar traurige Gesichter, aber es bleibt meine Entscheidung, ob ich aufstehe oder nicht.
Genauso ist es in unserem Leben doch auch, und ich glaube, manchmal fehlt es uns hier an Bewusstsein. Insbesondere, wenn Krisen und Schicksalsschläge auftreten, ist es verlockend, sich aus der Verantwortung ziehen zu wollen. Aber die bittere Wahrheit ist: Wir können ganz sicher nicht immer unser Schicksal beeinflussen, aber wir können immer entscheiden, wie wir damit umgehen. Das ist nicht immer toll und erst recht nicht leicht. Und man muss es auch nicht allein tun. Doch auch sich Hilfe zu holen, ist eine bewusste Entscheidung und ein Weg, seine Verantwortung wahrzunehmen. Meine Supportcrew besteht derzeit aus Freund:innen und Ärzt:innen. Es gibt Tage, da spüre ich verstärkt den Druck, mich wieder auf die Strecke zu schicken. Es bleibt jedoch ganz allein meine Entscheidung, ob ich bereit bin, da wieder rauszugehen, oder ob ich noch etwas meine Kräfte sammeln muss. Ich allein trage die Verantwortung für meine Entscheidungen und ich allein trage auch die Konsequenzen.