Hast du ein Nahrungsergänzungsmittel, das du empfehlen würdest?
Ja, Omega-3. Babys kommen mit einem ausgeglichenen Verhältnis von 1:1, Omega-3 zu Omega-6, zur Welt. Dieses Verhältnis verschiebt sich dann durch unsere westliche Ernährung jedoch häufig zugunsten von Omega-6. Wir nehmen oft zu wenig Omega-3 auf und zu viel Omega-6. Zusätzlich erhöhen Trainingsbelastungen den Omega 3 Bedarf. Gerade für SportlerInnen ist eine zusätzliche Zufuhr von Omega-3 sinnvoll. Omega-3-Fettsäuren können die Regeneration unterstützen und spielen eine wichtige Rolle für Entzündungsprozesse, Zellmembranen, Hormonhaushalt und die allgemeine Gesundheit. Je nach Ernährung und individuellem Bedarf empfehle ich meist etwa 1,5–3 g EPA und DHA pro Tag. Dies kann z.B. über hochwertiges Fischöl erfolgen. Für Vegetarier/Veganer kommen hochwertige Algenöle mit DHA und EPA infrage.
Was hat das mit RED‑S zu tun und wie hängt das zusammen?
RED‑S (Relative Energy Deficiency in Sport) wurde als Erweiterung der Female Athlete Triad eingeführt. Die Female Athlete Triad bezog sich nur auf Frauen und kombinierte Energiemangel, ausbleibende Menstruation und verminderte Knochendichte. RED‑S ist geschlechtsübergreifend und umfasst zusätzlich Symptome wie Eisenmangel, erhöhte Infektanfälligkeit, ein Absinken der Schilddrüsenhormone und Verdauungsprobleme. Beide Syndrome werden durch chronischen Energiemangel verursacht.
Bei Frauen ist die Menstruation ein wichtiges Frühwarnsystem: Hat der Körper nicht genügend Energie für Grundbedarf und Training, werden „nicht notwendige“ Systeme wie die Reproduktion heruntergefahren. Das Ausbleiben der Periode ist ein ernstzunehmendes Warnsignal. Besonders junge Athletinnen in der Pubertät sind gefährdet, weil in dieser Zeit viel Knochensubstanz mithilfe von Östrogen aufgebaut wird — verpasster Knochenaufbau lässt sich später kaum kompensieren. Östrogen fördert den Knochenaufbau und hemmt den Abbau; die Antibabypille kann in jungen Jahren kritisch gesehen werden, weil sie die Hormonsituation verändert. Auch erwachsene Athlet:innen sind betroffen. Bei Männern sinkt Testosteron, was ebenfalls die Knochengesundheit beeinträchtigen kann. Athlet:innen mit RED‑S haben ein erhöhtes Risiko für Ermüdungsbrüche und später für Osteopenie bzw. Osteoporose.
Man muss zwischen generellem Energiedefizit und einem Mangel an Kohlenhydraten unterscheiden: Nicht nur falsches Essen, sondern auch das falsche Timing (z. B. systematisches Weglassen von Kohlenhydraten rund um Einheiten) kann solche Symptome hervorrufen.
Wichtig ist: RED‑S ist nicht immer äußerlich sichtbar — entscheidend sind die Symptome. Es betrifft nicht nur Spitzensport, sondern auch ambitionierten Breitensport und Hobbysport. Viele dieser Athletinnen und Athleten haben keinen Zugang zu Ernährungswissenschaftlern, Physiotherapeuten oder Trainer:innen und unterschätzen oft den Kalorienbedarf im Training für lange Ultras.
Wenn ich Symptome bei mir erkenne — was kann ich tun?
Ein multidisziplinärer Ansatz ist wichtig, und vor allem professionelle Hilfe durch Ernährungswissenschaftler:innen, Physiotherapeut:innen und ggf. Psychotherapeut:innen. Es gibt keinen schnellen Fix; es dauert, bis sich der Körper normalisiert. Eine Ernährungsumstellung und eine Reduktion des Trainings sind oft hilfreiche erste Schritte.
Vielen Dank, Juli! Wo kann man dich finden, wenn man noch Fragen hat?
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