FRAUENTRAILLÄUFE? Nein, danke!
Ich bin eine Frau und empfinde Frauentrailläufe als eine Frechheit. Hier meine vier Argumente.
1. Frauenläufe sind paternalistisch verpackt
Denn was steckt dahinter? Das unterstellende Narrativ scheint bequem: Frauen bräuchten einen eigenen Raum, um sich an diesen toughen Sport Trailrunning heranzutasten. Als wäre der Trail zu roh, zu hart für uns. Als müssten wir erst unter uns üben, bevor wir „richtig“ mitlaufen dürften.
Ernsthaft?
Frauentrailläufe machen aus Stärke Schutzbedürftigkeit. Aus Selbstermächtigung ein kuratiertes Empowerment-Event, schlechtestenfalls mit rosa Startnummernfarbe. Schlimm! Dieses scheinheilige „Safe Space“-Argument klingt vielleicht auf Instagram gut, aber auf dem Trail zählt etwas anderes: Eigenverantwortung und Entscheidungsfähigkeit, was ich Trailläuferinnen zutraue. Wer bei Kilometer 70 in der Nacht steht, und nicht mehr weißt, ob er/sie weitergehen kannt – dem/der hilft auch kein gut gemeinter „geschützter Rahmen“. Frauenläufen ist damit zweierlei immanent: Die formelle Unterschätzung der Frauen selbst plus eine unnötige Diskriminierung von Männern, die solchen Läufen fernbleiben müssen.
2. Wir unterschätzen damit genau die Frauen, die diesen Sport längst für sich erobert haben
Denn die Realität sieht so aus: Frauen stehen seit Jahren in denselben Startfeldern, kämpfen durch denselben Matsch, zerlegen sich an denselben Cut-offs. Sie gewinnen Gesamtwertungen, laufen Streckenrekorde, überholen Männer im Downhill mit einer Selbstverständlichkeit, die jede Sonderkategorie absurd wirken lässt. Und dann sollen sie plötzlich einen eigenen Lauf brauchen? Ein Affront! Ein Rückschritt mit gut gemeintem Marketing.
3. Der Berg diskriminiert nicht
Trailrunning als Schonraum, als pinkfarbener Rückzugsort, als pädagogisch wertvoll kuratiertes Erlebnis mit Feel-Good-Garantie? Nein, danke, Trailrunning ist Chaos, Dreck, Grenzerfahrung und wir lieben das. Es ist egal, ob du Kilian heißt oder Courtney – der Berg diskriminiert nicht. Der Anstieg fragt nicht nach deinem Geschlecht. Der Downhill ist für alle gleich gnadenlos – wie demokratisch.
4. Community und Unterstützung entstehen nicht durch künstliche Trennung, sondern durch gemeinsames Leiden.
Durch das Wissen: Wir sind alle gleich im A*sch. Genau das ist doch die Magie unseres Lieblingssports. Frauentrailläufe verschieben den Fokus weg von Leistung, Erfahrung und Abenteuer – hin zu Identität. Wir laufen Ultras, um gemeinsam zu eskalieren. Nicht, um uns einzusortieren und separieren. Willkommen im Trailrunning. Hier gibt es keine Sonderkategorien. Nur den nächsten Anstieg – für ALLE.
P.S.: Lasst uns lieber darüber diskutieren, wie die Rennen von Trailläuferinnen mehr Aufmerksamkeit bekommen und nicht im Männerrennen „untergehen“.


