Zahlen und Storylines von Jubi-Grat, Sierre-Zinal, KAT100 by UTMB und dem Hochfügen Hightrails Festival

Immer montags präsentieren wir euch die Zahlen des vergangenen Wettkampfwochenendes. Hinter jeder Zahl verbirgt sich eine kleine Geschichte, die interessant, spannend, lustig oder einfach nur informativ ist. An diesem Wochenende schauen wir auf den Jubi-Grat-FKT, Sierre-Zinal, KAT100 by UTMB und das Hochfügen Hightrails Festival

4:47 – Neue FKT über den Jubiläumsgrat

Im Juli vergangenen Jahres stellten die beiden Freunde Johannes Stimpfle und Alles Laufbar-Autor Benni Bublak eine neue Fastest Known Time auf der Strecke Hammersbach – Zugspitze – Jubiläumsgrat – Alpspitze – Hammersbach auf. Ihre Zeit: 5:30:53 Stunden.

Diese Bestmarke wurde heute Morgen von Johannes Wingenfeld deutlich unterboten. Der Team-Schamel-Athlet absolvierte die Route in beeindruckenden 4:47:07 Stunden. Die Strecke gilt als extrem technisch  obwohl auch dies eine unzureichende Beschreibung ist. Der Jubiläumsgrat ist ein sehr langer, ausgesetzter Gratabschnitt, auf dem nicht nur luftige Klettersteigpassagen zu bewältigen sind, sondern auch bis zum 3. Schwierigkeitsgrad frei geklettert werden muss.

Normalerweise wird die Tour als sehr lange Tagestour vom Zugspitzgipfel bis zur Bergstation am Osterfelderkopf begangen – oder man übernachtet sogar auf dem Grat in der markanten roten Biwakschachtel. Johannes hingegen bewältigte allein den Jubiläumsgrat in unfassbaren eineinhalb Stunden.

Wer so schnell über den Jubiläumsgrat rennt, muss nicht nur ein exzellenter Läufer, sondern auch ein herausragender Alpinist sein. Bei dem aus Schwabenheim stammenden Athleten vereinen sich offenbar beide Qualitäten: Johannes kommt ursprünglich aus dem Klettern und Alpinismus und hat in den letzten Jahren das Traillaufen für sich entdeckt.

Nur einen Tag zuvor wurde erstmalig eine weibliche Referenzmarke auf dieser Route gesetzt. Anna Birzle erlief die Fastest Known Time über Zugspitze, Jubiläumsgrat und Alpspitze in 07:50:12!

2025 wurde er bereits Dritter bei der Deutschen Ultratrail-Meisterschaft und gewann den Chiemgau Ultratrail. „Ich laufe Trail, weil es für mich die einfachste und natürlichste Form des Bergsteigens ist“, erklärt der schnelle Alpinist, der schon mehrere 6000er bestiegen hat, seine Motivation auf der Website von Team Schamel.

Johannes Wingenfeld vor der Zugspitze nach seinem FKT-Erfolg

Von Platz ACHT auf Platz DREI – Katie Schide kann auch Speed

Das bestbesetzte Trailrennen der Welt? Ja, diesen Ruf hat Sierre-Zinal nicht zu Unrecht. Anfang August im Wallis trifft sich alles, was im Berg- und Traillauf Rang und Namen hat. Dazu gesellen sich jedes Jahr illustre Quereinsteiger aus anderen Ausdauerdisziplinen. Hendrik Pfeiffers einziges Trailrennen ist bis heute Sierre-Zinal. In diesem Jahr war es ein erfolgreicher Triathlet, der es wissen wollte: Adrien Briffod, 2019 Schweizer Meister im Sprint-Triathlon.

Dass der Athlet aus der französischsprachigen Schweiz einen beeindruckenden Motor hat, bewies er auch auf der 31 Kilometer langen Strecke zwischen Sierre und Zinal. Mutig rannte er vorneweg und führte das Feld länger an, als viele es ihm zugetraut hätten. Erst im letzten Drittel des Rennens schwanden die Kräfte des Läufers, dessen Wettkämpfe normalerweise zwischen ein und zwei Stunden dauern. Doch Briffod brach nicht komplett ein, sondern lief stark weiter Richtung Ziel und verpasste das Podium nur knapp. Am Ende machten drei Kenianer die Podestplätze unter sich aus – alle blieben unter der Marke von 2:30 Stunden. Der Sieg ging wie schon 2023 an Philemon Kiriago, vor Patrick Kipngeno und Michael Saoli.

Auch bei den Frauen entschieden zwei Kenianerinnen das Rennen für sich. Joyline Chepngeno wiederholte ihren Triumph aus dem Vorjahr, Caroline Kimutai wurde Zweite. Drei Minuten später lief UTMB-Siegerin Katie Schide ins Ziel. Mit 2:58:30 blieb sie unter der magischen 3-Stunden-Marke.

War dieses Resultat der US-Ultraläuferin eine Überraschung? Dass Schide schnell laufen kann, war bekannt. Aber dass sie sich auch im Olymp der schnellen Trailläufer aufs Podium schiebt, war nicht unbedingt zu erwarten. Selbst Courtney Dauwalter – der man auf der UTMB-Distanz zutrauen könnte, Schides Streckenrekord zurückzuholen – war dies nie gelungen. Sie startete zwar nie bei Sierre Zinal. In Zegama, einem etwas längeren und wohl nicht ganz so dicht besetzten Trailrennen, belegte Dauwalter 2022 „nur“ den zehnten Gesamtrang.

Dass auch Laura Hottenrott schnell laufen kann, ist bekannt: Mit 2:24:32 hat sie auf der Marathonstrecke internationale Spitzenklasse vorzuweisen. Eine Trail-Quereinsteigerin ist sie längst nicht mehr, auch wenn sie ähnlich mutig loslief wie Adrien Briffod. Kurzzeitig führte sie im ersten Anstieg sogar das Feld an, hielt dann lange Rang drei. Erst im finalen Downhill wurde sie noch von Katie Schide sowie den beiden Schweizerinnen Maude Mathys (Streckenrekordhalterin Sierre-Zinal) und Liaci Oria (Straßenläuferin) überholt. Mit ihrem sechsten Rang war Hottenrott dennoch sehr zufrieden, auch wenn sie auf Instagram einräumte, etwas zu schnell gestartet zu sein: „Eigentlich wollte ich vorsichtiger loslaufen, aber sobald der Startschuss fällt, renne ich doch so los, als ob das Rennen nur ein kurzes Vertical und kein 3-Stunden-Wettkampf ist.“ Ihre Zeit: 3:00:30 – die zweitschnellste jemals von einer deutschen Läuferin bei Sierre-Zinal. Nur Michelle Maier war bei ihrem Sieg 2016 noch schneller (2:58:40).

Zweit- und drittbeste Deutsche wurden Marion Leiberich (Platz 31) und Severine Petersen (Platz 42). Bei den Männern schaffte es kein deutscher Läufer unter die Top 100.

Die gesamten Ergebnisse gibt es hier.

 

Die Protagonisten und Protagonistinnen von Sierre-Zinal 2025: Adrien Briffod, Philemon Kiriago, Katie Schide, Laura Hottenrott, ... © risingstory/GTWS

FÜNFTER Sieg im FÜNFTEN Rennen

Anna Plattner hat einen Lauf. Ihre ITRA-Statistik spricht eine deutliche Sprache: Mit ihrem Sieg beim Marathon Trail (51 km/3.220 hm) im Rahmen des KAT100 by UTMB gelingt ihr der fünfte Sieg in Folge. Ötzi-Trailrun Naturns, Stubai Ultratrail Halbmarathon, Gletscher Trailrun Marathon, Schnalstal Alpine Trail Sky und jetzt eben beim KAT100 by UTMB – nicht nur das: Die Österreicherin läuft dieses Jahr nicht nur zuverlässig aufs Frauen-Podium, sondern hat es in all ihren Rennen 2025 in die Top 10 der Gesamtwertung geschafft. „Ich bin wirklich sehr stolz, was ich mit meinem Körper leisten kann, wir ein tolles Team abgeben und es sich einfach genial anfühlt, wenn’s rundum läuft“, schreibt Anna im Anschluss auf Instagram. Da kommt eine Nominierung für den österreichischen Nationalkader für die anstehende Weltmeisterschaft genau richtig. Der ÖLV hat Anna Plattner für den Short Trail (45 km/3.657 hm) nominiert – ein sehr ähnliches Kilometer-Höhenmeter-Verhältnis wie beim KAT100 by UTMB. „Pilot statt Passagier“, lautet Annas Motto. Wir sind gespannt, zu welchen Höhenflügen sie bei der WM fähig sein wird.

Aus deutscher Sicht ist Juliane Rößlers Sieg beim Endurance Trail (81 km/4.850 hm) erwähnenswert, den sie mit rund zwei Stunden Vorsprung gewinnen konnte – obwohl sie sich verlaufen und infolgedessen etwa eine halbe Stunde Zeit verloren hat. Damit hat Juliane Rößler eine direkte Qualifikation für den OCC und CCC 2026 in der Tasche.

Die gesamten Ergebnisse des KAT100 by UTMB gibt es hier.

Fotos: UTMB/Andi Frank, UTMB/Ian Corless, UTMB/Jan Nyka

SIEBZEHN Kilometer anstatt Ultradistanz

Ein gut besetztes Männer- und Frauenfeld hat sich beim Hochfügen Hightrails Festival im Zillertal eingefunden. Es handelt sich um ein Rennen für Kurzdistanz-Spezialisten, denn die längste Strecke des Tages ist 17,7 km lang bzw. kurz (mit 1250 Höhenmetern). Umso interessanter ist, dass Beliana Hilbert an der Startlinie stand, die sich bekanntlich eher im Ultrabereich wohlfühlt. Es war ein Antesten ihres Körpers, wenn man ihre Zusammenfassung des Rennens liest. Nach einem schwierigen Sommer mit Verletzungspech und Krankheiten ist sie nun endlich wieder schmerzfrei. Und sie lief um den Sieg mit! Nur Maike Drieb-Schön konnte ihr entkommen und rund zwei Minuten vor Hilbert ins Ziel einlaufen. „Ungewohnt kurz und intensiv“, sagt die Team Schamel-Athletin im Anschluss. Und dass die Distanzen bald wieder länger werden würden…

Bei den Männern hat Mathieu Delpeuch knapp vor Moritz auf der Heide und Andi Rieder gewonnen. Moritz auf der Heide scheint nach einer überstandenen Verletzungsphase im Frühsommer wieder zu alter Stärke zurückzufinden – pünktlich zur näher rückenden WM Ende September. Erst ein zweiter Platz über 60 km beim Pitztal Alpine Glacier Trail und jetzt die starke Leistung im Zillertal. „Die kommenden Wochen sind die wichtigsten. Ich bin noch ein gutes Stück weg von Bestform, allerdings auf einem sehr guten Weg. Die Basis steht, jetzt kommt mehr Intensität. Ich nutze die Rennen mit kontrolliertem Gas als Standortbestimmung und hohem Trainingsreiz. Es kommen noch 2-3 weitere Vorbereitungsrennen bei 90-95% Power“, verrät uns der Salomon-Athlet.

Die gesamten Ergebnisse gibt es hier.

Fotos: Hochfügen Hightrails Festival

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