Sechs Medaillen für Deutschland – DLV-Team glänzt bei Europameisterschaften

Dreimal Einzel-Gold, einmal Mannschafts-Gold plus eine Silber- und eine Bronzemedaille. Die Bilanz der DLV-Auswahl bei der diesjährigen Berglauf- und Trailrunning-Europameisterschaft (European Athletics Off‑Road Running Championships) kann sich sehen lassen. So lief die EM für das deutsche Team.

Nach erfolgreichen internationalen Meisterschaften – unvergessen die Goldmedaillen von Nina Engelhard bei der EM 2024 und der WM 2025 – waren die Medaillenhoffnungen der deutschen Auswahl vor der Europameisterschaft in Slowenien durchaus berechtigt, auch wenn ebenjene Nina Engelhard verletzungsbedingt absagen musste. Mit einem Mix aus erfahrenen Athletinnen und Athleten und einigen vielversprechenden Debüts im Nationaltrikot stellte der DLV einen konkurrenzfähigen Kader auf, von dem insbesondere die Frauen herausragende Leistungen zeigen sollten.

Drei Goldmedaillen im Uphill

Bereits am Freitag, dem ersten Wettkampftag, gab es Grund zu feiern. Auf der „Uphill“-Strecke der U20 (4 km, 425 hm) stürmte die 17-jährige Gloria Herold in einem dramatischen Finish zu einem geteilten ersten Platz. Was für ein Photofinish! Während die Tschechin Anna Kynčlová siegesgewiss das Tempo drosselte und die Arme in die Luft reckte, witterte Herold ihre Chance, kam auf den letzten Metern noch einmal an die Führende heran und überquerte zeitgleich die Ziellinie.

Zeitgleich überqueren Gloria Herold und Anna Kynčlová die Ziellinie. Foto: Itra

„Vor dem Ziel war ja dieser kleine Berg und ich habe alles gegeben, auch wenn meine Beine schon schwer waren. Ich dachte mir: Komm, kämpf noch mal! Dann habe ich nur noch gesehen, dass meine Konkurrentin aufgehört hat zu laufen und gegangen ist. Da bin ich nochmal gerannt!“, erzählte die Erfurterin leichtathletik.de.

Hinter den beiden kam die EM-Titelverteidigerin Julia Ehrle als Dritte bei nass-kalten Bedingungen im dichten Nebel ins Ziel. Weil Hannah Lösel mit Platz 9 ebenfalls eine starke Leistung zeigte, konnte sich die U20-Damen-Auswahl nicht nur über die beiden Einzelmedaillen, sondern auch über Gold in der Mannschaftswertung freuen. Ein Auftakt nach Maß!

" Ich bin einfach nur in den Nebel gerannt und hab gedacht: Hoffentlich kommt keiner mehr von hinten. "

Laura Hottenrott

Nach den U20-Uphill-Rennen ging es für die Frauen und Männer an die Startlinie der nun verlängerten Uphill‑Strecke (9 km, 1.280 hm). Und erneut durfte aus deutscher Sicht gejubelt werden. Laura Hottenrott stellte erneut ihre Berglaufqualitäten unter Beweis und lief in 1:00:31 Stunden auf den zweiten Platz! „Ich bin einfach nur in den Nebel gerannt und hab gedacht: Hoffentlich kommt keiner mehr von hinten“, berichtet sie im Ziel dem Portal „Laufend Entdecken“. „Es war ein brutal hartes Rennen. Ich bin unglaublich stolz, hier Zweite geworden zu sein, gerade als Straßenläuferin.“ Als zweitbeste Deutsche landete Hanna Gröber auf Platz 7, die, wie Julia Ehrle auch, mit dem Up‑&‑Down‑Rennen am Sonntag einen Doppelstart hinlegen sollte. Eine gut funktionierende Kombination, wie sich herausstellen sollte. Beinahe hätte es durch Madlen Kapplers 33. Platz noch für Team-Bronze gereicht; am Ende ist es Platz 4 in der Mannschaftswertung.

Laura Hottenrott im Ziel des Uphill-Rennens am Freitag. Fotos: Itra

Etwas enttäuscht dürfte Lukas Ehrle sein. Während er bei der letzten EM 2024 (damals noch in der U20-Wertung) gleich zwei Medaillen gewinnen konnte, musste er sich dieses Mal mit Rang 14 im Uphill-Rennen begnügen. Julius Ott folgt auf Rang 19 und Dominik Notz auf Platz 22.

Mittelfeld im Trail-Rennen am Samstag

Mit Spannung wurde das Trail-Rennen erwartet. Auf 52 km und 2.450 hm galt es für die DLV-Auswahl, zumindest Außenseiterchancen auf vordere Plätze zu wahren. Am Ende reichte es für solide Platzierungen im Mittelfeld. Bei den Frauen zeigten Hannah Marquard (Platz 22) und Johanna Ehrenklau (Platz 31) solide Rennen. Bei den Männern kam Pierre‑Emmanuel Alexandre trotz Fußproblemen auf Rang 34 ins Ziel. Hinter ihm folgte Manuel Hartweg auf Platz 46. Letzterer fand beim Portal „Laufend Entdecken“ auf die Frage, wie ihm die matschigen Verhältnisse gefallen haben, die passenden Worte: „Schweine fühlen sich wohl im Dreck.“

Erfreulich aus deutschsprachiger Sicht: Die Schweizerin Judith Wyder sicherte sich Gold auf der Trail‑Strecke, und der Südtiroler Daniel Pattis gewann die Silbermedaille (beide hatten wir bereits zu Gast im Trailfunk‑Podcast). Die österreichische Hoffnungsträgerin Anna Plattner musste das Rennen leider vorzeitig beenden.

Ein gut-gelaunter Pierre‑Emmanuel Alexandre (hinter ihm Manuel Hartweg). Foto: Itra

Die Krönung am Sonntag

Am Sonntag, dem finalen Wettkampftag, stand das Up‑&‑Down‑Rennen auf dem Programm. Wie erwähnt gab es hier einige Doppelstarts von Athletinnen und Athleten, die bereits am Freitag den Uphill gelaufen waren. Bei den U20‑Damen war das Julia Ehrle. Und die hatte sich offenbar einiges vorgenommen. Mutig startete sie das Rennen, setzte sich sofort an die Spitze und ließ keinen Zweifel daran, dass sie heute als Erste über die Ziellinie laufen würde. Genau so kam es. Souverän und überglücklich holte Ehrle Gold – ihre insgesamt dritte Medaille des Wochenendes. „Ich werde Slowenien für den Rest meines Lebens in Erinnerung behalten“, sagt sie im Zielinterview. Die 18‑jährige Julia Ehrle hat damit nach Gold bei der EM 2024 und der WM 2025 erneut eine Goldmedaille gesichert und ihre Weltklasse eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Julia Ehrle führt das Starterinnen-Feld des Up&Down der U20 an. Foto: Itra

Das Herren‑ und Damen‑Up‑&‑Down‑Rennen führte im Anschluss an die U20 über 13,5 km und 970 hm. Hier kam es vielleicht zur größten Überraschung des Wochenendes aus deutscher Sicht. Bei hoher Luftfeuchtigkeit und warmen Temperaturen setzte sich Gröber bereits am ersten Anstieg von der Konkurrenz ab und konnte ihre Führung von da an immer weiter ausbauen. „Das Rennen lief von Anfang an besser, als ich erwartet hatte“, sagt sie im Zielinterview. Insbesondere im Downhill, ihrer selbsterklärten „Superpower“, zeigte sie, was in ihr steckt.

Ein Traumtag für die Athletin, die vor wenigen Wochen bereits ein Ausrufezeichen mit ihrem Sieg der „Trail Hunt“ in Innsbruck gesetzt hatte. Die amtierende deutsche Meisterin im Berglauf, die auf der Straße nicht minder beeindruckende Bestzeiten im Portfolio hat, erwischte mit ihrem Rennen einen echten Sahnetag. „Ein Traum ist wahr geworden“, sagt sie im Ziel. „Ich wusste, dass es ein hartes Rennen in heißen und schwülen Bedingungen werden würde, aber das ist, was ich mag.“ Gröber hatte sich eine Woche vorher bereits die Rennstrecke angeschaut. “Deshalb wusste ich, dass ich bis zum Schluss konzentriert bleiben muss.“

Hanna Gröber kurz vor dem Zieleinlauf am Sonntag. Foto: ©@siakare_sports

Die Männer erreichten im Up‑&‑Down‑Rennen lediglich Plätze im Mittelfeld. Ein schneller David Reichl erreichte mit Rang 18 die beste Platzierung; einen Platz dahinter lief Julius Ott ins Ziel, der in der Nacht vor dem Rennen mit starken Halsschmerzen zu tun hatte. Lukas Ehrle, der aktuell am US-College in New Mexico mehr Bahn als Berg trainiert, kämpft sich auf einen Platz 29.

Eine erneut erfolgreiche Europameisterschaft ist damit zu Ende gegangen. Die Bilanz kann sich sehen lassen. Insbesondere die deutschen Frauen haben disziplinübergreifend sensationelle Leistungen gezeigt. Gerade auch die starken U20‑Leistungen zeigen, dass die Zukunft des deutschen Berg‑ und Traillaufs vielversprechend ist.

Hannah Gröber ist für uns die Entdeckung dieser Europameisterschaft. „Ich hab keinen Sponsor, ich mach das Laufen weil es mir Spaß macht“, resümiert sie im Zielinterview mit Laufend Entdecken. Ersteres dürfte sich bald ändern, letzteres hoffentlich nicht. Im August startet Hannah bei ihrem ersten internationalen großen Trailrennen Sierre Zinal. Schon am kommenden Freitag hört ihr die frisch gebackene Europameisterin bei uns im Trailfunk.

Redaktionelle Mitarbeit: Saskia Maul

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