Klassentreffen der Weltspitze: Sierre-Zinal 2026 Preview

Sierre-Zinal gilt seit Jahrzehnten als der bestbesetzteste Trailrunning- und Berglaufwettkampf der Welt. Ja, es gibt Rennen, deren Top Ten mit Sierre-Zinal mithalten kann? Schon in die Top 100 zu laufen, ist wohl bei keinem anderen Rennen so schwer wie bei diesem Klassiker im Schweizer Wallis. Entsprechend schwer fiel uns die Auswahl der Favoriten und Favoritinnen für das diesjährige Spektakel.

Am Samstag, den 8. August findet die 53. Ausgabe von Sierre-Zinal statt. Das legendäre Schweizer Rennen versammelt wie üblich die Weltelite des Trailrunnings auf seiner anspruchsvollen 31 Kilometer langen Strecke mit 2.200 Höhenmetern im Anstieg. Wir haben uns die Elitefelder genauer angeschaut.

Das Frauenrennen

Blicken wir auf das Elitefeld der Frauen, das in Sierre-Zinal eine halbe Stunde vor den Männern startet. Wir haben es mal wieder mit einem bärenstarken Aufgebot von Athletinnen zu tun. Aus den letztjährigen Top 10 sind immerhin sieben Frauen erneut dabei. Es gibt echte Sierre-Zinal-Spezialistinnen, Siegerinnen vergangener Jahre, und auch die amtierende Streckenrekordhalterin ist dabei. Und natürlich freuen wir uns auf ein paar Hochkaräterinnen aus dem deutschsprachigen Raum.

Fans an der Strecke 2025. Foto: GTWS / Rising Story / Justin Galant

  • Zum Kreis der Top-Favoritinnen gehört natürlich die Siegerin aus dem Jahr 2025, Caroline Kimutai (sie wurde nachträglich zur Siegerin ernannt, nachdem Joyline Chepngeno wegen einer Dopingstrafe der Sieg aberkannt worden war). Wenn sie im Bereich ihrer Zielzeit aus letzten Jahr (2:55:31) landen kann, dann ist sie ganz vorne mit dabei.

  • Jemand, der etwas dagegen haben dürfte, ist Maude Mathys, die als echte Sierre-Zinal-Veteranin bezeichnet werden darf. Immerhin ist die 39-jährige Schweizerin schon 2009 das erste Mal hier am Start gewesen. Seitdem hat sie das Rennen viermal gewonnen, zuletzt 2022. Ihre Zeit von 2:49:20 aus dem Jahr 2019 ist nach wie vor der Streckenrekord. Letztes Jahr wurde Mathys Zweite. Wenn es eine Läuferin gibt, die weiß, wie man Sierre-Zinal erfolgreich laufen kann, dann sie.

  • Die Golden Trail World Series-Siegerin 2025, Mădălina Florea, ist ebenfalls am Start. Sie ist erst letztes Wochenende beim letzten GTWS-Stopp, dem Pitztal Alpine Glacier Trail (PAGT), siegreich gewesen. Werden ihr eine Woche Erholungszeit reichen, um erneut an die 100 % zu kommen? Die wird sie brauchen. 2024 ist die Rumänin bereits auf das Podium in Zinal eingelaufen. Die Chancen stehen gut, dass ihr das noch einmal gelingen könnte.

    Weitere internationale Namen, die wir auf dem Zettel haben, sind: Ruth Gitonga, Sara Alonso, Nienke Brinkmann, Tabor Hemming, Caitlin Fielder, Anna Gibson, Jessie Diggins und Miao Yao.

Laura Hottenrott bei ihrem erfolgreichen Sierre-Zinal 2025. Foto: GTWS / Rising Story / Justin Galant

  • Kommen wir zum deutschsprachigen Feld. Hier ist natürlich Laura Hottenrott zu erwähnen, die 2025 auf Platz 5 landete. Das Lauf-Multitalent, sowohl auf der Straße als auch am Berg erfolgreich, hat Ende Juli beim Davos X-Trails seine Bergform getestet und konnte dort die 23-km-Distanz für sich entscheiden. Die Generalprobe für Sierre-Zinal ist geglückt, könnte man sagen. Die Top 10 sollte für Laura das Ziel sein.

  • Wessen Generalprobe nicht ganz so optimal lief, war die von der aktuellen Up&Down-Europameisterin Hanna Gröber, die vergangenes Wochenende beim PAGT nach eigenen Aussagen ein „Sufferfest“ erlebt hat (und trotzdem bei starker Konkurrenz noch auf Platz 11 landete). Für Hanna Gröber sind PAGT und Sierre-Zinal ungewohnt lange Distanzen, an die sie sich Rennen für Rennen herantastet. Wir sind davon überzeugt: An einem guten Tag ist Hanna Gröber alles zuzutrauen.

  • Zwei weitere bekannte deutsche Namen sind Sarah Kistner und Madlen Kappeler. Sarah Kistners Saison läuft bisher nicht nach Plan. Von drei Rennen konnte sie keines beenden. Ihr ist ein Erfolgserlebnis zu wünschen. Madlen Kappeler feiert nach ihrer EM-Teilnahme im Juni ihre Sierre-Zinal-Premiere. Sie wird vor allem im langen Bergaufstück zu Beginn versuchen, ihre Vertical-Stärken auszuspielen.

    Update: Wir wir erfahren haben werden Sarah Kistner und Madlen Kappeler nicht starten.

  • Zwei Namen aus der Schweiz dürfen wir auf keinen Fall vergessen. Da wäre zum einen Oria Liaci. Die Viertplatzierte aus dem letzten Jahr und amtierende Marathon du Mont-Blanc-23k-Siegerin wird alles dafür tun, ganz vorne zu landen. Die erst 24-jährige Läuferin aus der Schweiz hat kürzlich ihr Tempo auf der Straße unter Beweis gestellt. Ob ihr das in den laufbaren Passagen des Rennens zugutekommen wird?

    Zum anderen müssen wir natürlich die aktuelle Trailrunning-Europameisterin Judith Wyder erwähnen, die in Topform ganz vorne mitmischen wird. Seit ihrem zweiten Platz in Sierre-Zinal 2019 hatte Wyder eher durchwachsene Auftritte bei diesem Rennen (u. a. DNF 2024). Ob ihr in ihrer Heimat Schweiz nochmal ein großer Coup gelingt? Wir dürfen gespannt sein.

Das Männerrennen

Der zehnmalige Sieger Kilian Jornet wird aufgrund seiner anhaltenden Knieverletzung nicht am Start stehen. Ob das Rennen dadurch offener wird?

Wer bei Sierre-Zinal am Ende die Nase vorn haben wird, ist natürlich auch in diesem Jahr schwer vorherzusagen. Das Feld ist erneut so dicht und hochkarätig besetzt, wie bei keinem anderen Rennen der Welt. Acht Athleten aus den letztjährigen Top Ten kehren an die Startlinie zurück. Im vergangenen Jahr war das Podium fest in kenianischer Hand – und auch in diesem Jahr dürfte der Sieg nur über die Läufer aus Kenia führen.

Sieger 2025: Philemon Kiriago Foto: GTWS/risingstory

  • Philemon Kiriago, Patrick Kipngeno und Michael Saoli belegten im vergangenen Jahr die ersten drei Plätze. Kipngeno und Saoli standen erst vergangenes Wochenende beim Rennen im Pitztal erneut gemeinsam auf dem Podium. Alle drei blieben im Vorjahr unter der magischen Marke von 2:30 Stunden.

    Wird in diesem Jahr Kilians Streckenrekord von 2:25 Stunden aus dem Jahr 2024 fallen? Zuzutrauen wäre es allen Dreien – auch wenn für den Renntag hohe Temperaturen vorhergesagt sind.

  • Der Marokkaner Elhousine Elazzaoui gehört immer zu den Top-Favoriten, wenn er bei einem Rennen der Golden Trail World Series an der Startlinie steht. Erst am vergangenen Wochenende feierte er im Pitztal einen souveränen Sieg. Bleibt die Frage: Hat die Erholungszeit bis Sierre-Zinal ausgereicht?

    Das weniger technische und vergleichsweise laufbare Profil dürfte ihm im direkten Duell mit den Kenianern allerdings etwas weniger entgegenkommen.

  • Die Liste der Favoriten hinter den bereits genannten Namen ist lang. Die beiden Schweizer Adrien Briffod und Dominik Rolli wollen erneut in die Top Ten laufen – mindestens. Auch der Spanier Andreu Blanes, Sieger des Jahres 2022, sowie der Schwede Martin Nilsson dürften sich nach seinem sechsten Platz im Vorjahr noch weiter vorne einordnen wollen.

    Hinzu kommen weitere klangvolle Namen der Trailrunning-Szene: Robbie Simpson, Davide Magnini, Petter Engdahl und Roberto Delorenzi stehen ebenfalls an der Startlinie.

    Unzählige weitere Anwärter auf eine Top-Ten-Platzierung fehlen in dieser Auflistung – darunter auch die beiden US-Amerikaner Taylor Stack und Christian Allen. Hier findet ihr die komplette Favoritenübersicht.

Zweiter in Zegama: Daniel Pattis Foto: GTWS/risingstory

  • Kommen wir zu den deutschsprachigen Startern. Hier ist der Südtiroler Brooks-Athlet Daniel Pattis definitiv der Athlet mit den besten Chancen auf eine Topplatzierung. Erst im Mai lief er beim legendären Zegama-Aizkorri hinter Elhousine Elazzaoui auf den zweiten Platz.

  • Aus Deutschland stehen Julius Ott, Dominik Notz, Finn Hösch und David Reichl an der Startlinie. Allesamt starke Athleten – eine Top-Ten-Platzierung wäre für alle vier allerdings eher eine Überraschung.

    Mit den größten Chancen und den meisten Vorschusslorbeeren reist wohl Julius Ott an. Nach Platz 30 im Jahr 2024 dürfte sein Ziel sein, dieses Ergebnis zu verbessern.

    Aus Österreich ist einzig der junge Johannes Nussbaumer vom Team Asics in der Favoritenliste gemeldet.

Das Rennen, auch als „Rennen der fünf Viertausender“ (Weisshorn, Zinalrothorn, Obergabelhorn, Matterhorn und Dent Blanche) bekannt, beginnt am Samstag, den 8. August 2026, um 10:30 Uhr (Frauen) beziehungsweise 11:00 Uhr (Männer).

Live übertragen wird Sierre-Zinal bei Eurosport, TNT Sports und HBO Max. Auf YouTube wird einige Tage später „nur“ eine Zusammenfassung verfügbar sein.

Zwei der fünf Viertausender: Weisshorn und Obergabelhorn

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