Skyrunning ist im deutschsprachigen Raum ungefähr so präsent wie Unterwasserhockey. Nicht, dass mich das Nischendasein stören würde. Aber natürlich erschwert es den Einstieg in diesen Text. Wie erklärt man die Faszination einer Sportart, die für einen Großteil der Läufer unzugänglich bleibt?
Es ist wohl kaum der Faktor Geschwindigkeit, der irgendeine Anziehungskraft ausüben könnte. Wir Skyrunner sind selten schnell. Auch die Distanz spielt keine Rolle. Es ergibt wenig Sinn, ein horizontales Distanzziel bei einer Sportart anzuvisieren, die sich so sehr über die Vertikale definiert.
Selbst der Naturgenuss bleibt auf der Strecke. Denn wer den Blick vom fordernden Kurs abwendet, wird sogleich bestraft.
Aber es gibt ein Element, das dir nur Skyrunning bieten kann: Fokus.
Ein Begriff, der wohl eher unter Kletterern geläufig ist. Wer eine Felswand hochklettert, ist gezwungen, zu 100 Prozent im Hier und Jetzt zu bleiben. Achtsamkeit nennt man das heutzutage.
Genauso verhält es sich beim Skyrunning. Jeder Schritt muss sitzen. Kein Schritt ist wie der andere. Das fordernde und ständig variierende Gelände verlangt 100 Prozent Konzentration und Fokus.
Skyrunning ist definitiv die achtsamste aller Laufsportarten.
Der Wilde Kaiser ist ein relativ unwirtliches Gebirge für Läufer. Zu schroff und zu steil ragen die unzähligen Kalktürme zwischen Kufstein und Kitzbühel in die Höhe. Unter Kletterern hingegen genießt das Gebirge legendären Status.
Seit zehn Jahren gehört dieser Gebirgsstock zu meinen Hometrails. Den Kaiserkrone Trail gibt es seit 2021. Die Premiere war eigentlich schon für das Jahr zuvor geplant, wurde aufgrund der Corona-Pandemie jedoch verschoben. Die Ultrastrecke umrundet den Kaiser einmal, das ebenfalls angebotene Skyrace wagt sich hingegen hinauf auf die Gipfel und Grate des Wilden Kaisers.
Natürlich musste ich damals beim Debüt auf dieser unfassbaren Strecke dabei sein, die zumindest in den Ostalpen ihresgleichen sucht.









