Kaiserkrone Trail: Rennabsage aufgrund von Hitze?

Die große Hitze stellte die Trailveranstaltungen des Wochenendes vor besondere Herausforderungen. Während in Hamburg der Halbmarathon abgesagt wurde, fand der Kaiserkrone Trail statt. Dort kam es zu drei hitzebedingten Bergrettungseinsätzen und einer hitzigen Debatte in den sozialen Medien. Diese Einordnung war ursprünglich als Teil unseres Rennberichts gedacht. Wir haben uns jedoch entschieden, sie separat zu veröffentlichen. Der Rennbericht zum Kaiserkrone Skyrace erscheint morgen.

Die große Hitze war schon bei vergangenen Austragungen des Kaiserkrone Trails immer wieder ein Thema. Dieses Jahr setzte die Sonne jedoch noch einmal einen drauf. Es war das heißeste Wochenende seit Jahrzehnten. Die Veranstalter des Kaiserkrone Skyrace zogen alle Rennstarts um eine Stunde vor, um der größten Hitze zumindest teilweise zu entgehen. Wem das dennoch nicht geheuer war, konnte seinen Startplatz gegen eine geringe Service-Gebühr auf das folgende Jahr übertragen – ein ausgesprochen faires Angebot.

Vor allem die Läuferinnen und Läufer des Ultratrails sind im letzten Abschnitt des Rennens den technischen Trails und der prallen Sonneneinstrahlung an der Kaisersüdwand ausgesetzt. Natürliche Wasserquellen gibt es dort keine. Veranstalter Lukas Kocher berichtete uns, dass er für das kommende Jahr plant, die Laufrichtung der Kaiserumrundung zu ändern, um diesen Teil der Strecke in die früheren und kühleren Morgenstunden zu verlegen.

Hitzewochenenden gehören beim Kaiserkrone Trail zur Tradition. Auch in diesem Jahr blieben die Veranstalter nicht von Zwischenfällen verschont. Dreimal musste die Bergrettung ausrücken. Zunächst mussten zwei Niederländer wegen Überhitzung versorgt werden. Der dritte Fall verlief besonders dramatisch: Der Vorjahressieger des Ultratrails kollabierte rund zwei Kilometer vor dem Ziel, als er auf Rang drei lag. Seinen Podestplatz wollte er offenbar unbedingt verteidigen und schob mit dem Ziel fast in Sichtweite einige deutliche Warnsignale seines Körpers beiseite. Beobachter schilderten, dass er bereits an der letzten Verpflegungsstation keinen guten Eindruck mehr machte, sich jedoch weigerte, mehr Zeit zum Kühlen und zur Flüssigkeitsaufnahme zu nutzen. Die Einsatzkräfte stellten schließlich eine Körperkerntemperatur von 41,3 °C fest. Der Läufer wurde daraufhin mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus Kufstein geflogen und zunächst intensivmedizinisch behandelt. Inzwischen geht es ihm wieder gut.

Hätten die Veranstalter das Rennen angesichts dieser Bedingungen gar nicht erst stattfinden lassen dürfen, wie es in den Kommentaren unter den Berichten einiger reichweitenstarker Medien gefordert wurde? Wir meinen: Nein, auf keinen Fall.

Aus unserer Wahrnehmung, die sich mit den Schilderungen zahlreicher Teilnehmender deckt, hat der Veranstalter alles ihm Mögliche getan, um die Läuferinnen und Läufer auf die Extrembedingungen vorzubereiten. Es gab zahlreiche Verpflegungsstationen, die – anders als bei einzelnen Austragungen in der Vergangenheit (damals noch unter einem anderen Veranstalter) – jederzeit mehr als ausreichend mit Flüssigkeit und Verpflegung ausgestattet waren. Außerdem wurden die Teilnehmenden mehrfach darauf hingewiesen, stets ausreichend Flüssigkeit mitzuführen.

 

Lukas Kocher zeichnet insgesamt ein sehr positives Bild der Teilnehmenden. Uns gegenüber sagte er: „Über 99 % der Teilnehmenden sind mit den Extrembedingungen sehr gut zurechtgekommen. Ich war begeistert, wie diszipliniert und situationsangepasst die Läufer unterwegs waren – mit reduziertem Tempo und deutlich größeren Flüssigkeitsreserven.“

Diese Temperaturen sind außergewöhnlich, werden in Zukunft aber aufgrund des fortschreitenden Klimakollaps leider eher Regel- statt Ausnahme sein. Wettkämpfe einer Sommersportart wie dem Trailrunning grundsätzlich aufgrund von Hitze abzusagen, würde bedeuten, dass langfristig womöglich jedes zweite Event nicht stattfinden könnte. Das kann keine Lösung sein, so finden wir. Ein gewisses vertretbares Maß an Eigenverantwortung wird bei Trailrunning-Veranstaltungen immer dazugehören. Gerade für die Gefahren extremer Hitze und ihre Auswirkungen auf den Körper muss in diesem Zusammenhang jedoch besonders sensibilisiert werden. Ein generelles Sportverbot bei hohen Temperaturen würde in einer Sportart, deren prestigeträchtigstes Rennen der Western States 100 ist, allerdings absurd wirken.

Stattdessen müssen beide Seiten – Veranstalter ebenso wie Teilnehmende – in solchen Situationen ihrer Verantwortung gerecht werden, um Zwischenfälle zu vermeiden. Ersteres war im Fall des Kaiserkrone Trails aus unserer Sicht zu 100 % gegeben, Letzteres zu 99 % ebenfalls. Dennoch kam es zu drei Rettungseinsätzen, die von einigen Medien im Kontext der derzeit in der Presse ohnehin sehr präsenten Hitzewelle bereitwillig aufgegriffen wurden und  teilweise scharfe Kritik am Veranstalter auslösten. Wer sich jedoch die nüchternen Zahlen ansieht, stellt fest, dass es in diesem Jahr sogar weniger Rettungseinsätze beim Kaiserkrone Trail gab als in den Jahren zuvor.

Morgen erscheint an dieser Stelle der Rennbericht unseres Autoren Benni Bublak vom kompletten Kaiserkrone Skyrace. #staytuned

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