Zugspitz Ultratrail-Preview: UTMB World Series-Premiere, Wetterprognosen und alle Top-Favoriten

Wenn sich ein großer Teil der deutschen Trailrunning-Community in der Tapering-Phase befindet, Energieriegel im Supermarkt zur Neige gehen und die Webseiten der Wetterdienste aufgrund erhöhter Nachfrage zur Wetterprognose für Garmisch-Partenkirchen Serverprobleme bekommen, dann kann das nur eins bedeuten: Es ist ZUT-Woche.

Mit Spannung wird die mittlerweile 15. Austragung des größten Trailrunning-Events in Deutschland erwartet. Denn auch wenn es den Zugspitz Ultratrail seit 2011 gibt, fühlt es sich dieses Jahr ein bisschen wie eine Premiere an. Zum ersten Mal wird das Trail-Spektakel nicht mehr vom Veranstalter Plan B, sondern von Ironman als Teil der UTMB World Series ausgetragen (wir berichteten). Der vollständige Eventname lautet nun: Salomon Zugspitz Ultra Trail powered by Ledlenser by UTMB. Deswegen wird eine der Hauptfragen dieses Jahr sein: Welche Veränderungen lassen sich vor Ort für Teilnehmende und Zuschauende feststellen und wie sind sie zu bewerten?

So viel ist klar: Es wird ein Trail-Event der Superlative. Über 5.000 Athletinnen und Athleten werden auf sieben Distanzen ihre sportlichen Ziele verfolgen – von 16 Kilometern bis zum 100 Meiler. Es wird Trail-Einsteiger geben, die am Wochenende ihren ersten Traillauf absolvieren werden. Es wird jene geben, die seit Jahren zum ZUT pilgern und die Strecke in- und auswendig kennen. Und dann wird es natürlich auch Spitzensport mit sehr schnellen Zeiten geben. Die 100-km-Distanz, der „Ultratrail“, weist das deutlich stärkste Elitefeld auf. Mit wem ist zu rechnen? Wir stellen euch im weiteren Verlauf des Artikels einige der Favoritinnen und Favoriten auf den Strecken vor.

Gewitter im Anmarsch?

Zuvor kommen wir noch kurz zum eingangs erwähnten Wetterbericht, denn der verspricht Spannung für die nächsten Tage. Ähnlich wie zum ZUT letztes Jahr ist eine Hitzewelle im Anmarsch. Ende dieser Woche werden bis zu 33 °C erwartet. Glaubt man den gängigen Wetterdiensten, dann ist am Freitag und Samstag jeweils mit Gewittern zu rechnen. Letztes Jahr kamen diese erst am Samstagnachmittag, viele Trailrunner waren dann bereits im Ziel. Wer es nicht war, wurde nicht mehr zum letzten Anstieg des Osterfelderkopfs, sondern direkt ins Tal in Richtung Ziel geleitet. Inwiefern eine mögliche Gewitterlage die planmäßige Durchführung des Events in diesem Jahr beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Es ist zu früh, definitive Aussagen treffen zu können. Dennoch: Optimal ist die Wetterprognose nicht.

Foto: Klaus Fengler

Ultratrail (107 km, 5280 hm)

  • Schauen wir zunächst auf das Frauenfeld. Hier ist fast ein Who-is-Who der deutschen Ultra-Spezialistinnen am Start. Zum ersten Mal ist Rosanna Buchauer beim ZUT dabei. Ein Blick in Rosannas Rennergebnisse zeigt: Der ZUT ist ihr erstes Rennen überhaupt in Deutschland. Sie geht als nominelle Favoritin ins Feld. Buchauer hat Ende letzten Jahres zwei Highlight-Rennen (Trail-WM in Canfranc und UTCT in Südafrika) nicht ins Ziel bringen können, hat aber im April dieses Jahres in Istrien die 69-km-Distanz gewinnen können und zum ersten Mal die 800 ITRA-Punkte geknackt. Wenn sie einen guten Tag erwischt, wird es schwer sein, sie zu stoppen.

    Wer genau das versuchen wird, ist die letztjährige Siegerin der Ultratrail-Strecke Lisa Wimmer. Die frischgebackene Deutsche Meisterin im Ultratrail befindet sich ebenfalls in bestechender Form. Ähnlich wie Rosanna Buchauer hat auch sie für ihre DM-Performance beim Mountainman Nesselwang ihre bisher beste ITRA-Punktzahl erhalten.

    Die erfahrenste Läuferin im Spitzenfeld ist mit Sicherheit Eva-Maria Sperger. 2017 gewann die Wahl-Garmischerin zum ersten Mal ein Rennen beim ZUT, den damaligen Supertrail XL. Letztes Jahr wurde sie eine Viertelstunde hinter Lisa Wimmer Zweite auf den 100 km. Dieses Jahr ist Eva-Maria bereits den Mountainman Nesselwang XL gelaufen und konnte ihn gewinnen. Aus ihrem Umfeld ist zu vernehmen, dass ihr zuletzt Fußprobleme zu schaffen machten. Wenn der Fuß mitmacht, ist mit Eva-Maria Sperger immer zu rechnen.

    Beliana Hilbert feiert ihre ZUT-Premiere. Die Läuferin von Team Schamel ist auf jeden Fall eine Kandidatin fürs Podium. Sie wurde dieses Jahr Zweite auf der 110-km-Distanz in Istrien, war aber alles andere als zufrieden mit ihrer Leistung und hofft darauf, zeigen zu können, dass noch mehr in ihr steckt. Vielleicht ist der ZUT die Gelegenheit dazu.

  • Bei den Männern ist das Starterfeld auf dem Ultratrail deutlich internationaler. Der Südtiroler Andreas Reiterer stand lange auf der Startliste und wäre nominell der große Favorit gewesen. Reiterer wird allerdings, so sein Trainer Lars Schweizer von Two Peaks Endurance, allerdings nicht beim ZUT, sondern beim Lavaredo Ultra Trail starten. Der Grund dafür ist die Geburt seines zweiten Kindes, die in diesen Zeitraum fallen wird.

    Damit ist Kamil Leśniak aus Polen der Favorit. Dieser hat 883 ITRA-Punkte und hat erst vor wenigen Wochen die Langdistanz des Trail Alsace Grand Est gewonnen. Ein sehr erfahrener Läufer, der bereits im Jahr 2011 einen ITRA-gelisteten 100-km-Lauf in Polen gelaufen ist.

    Andreas Rieder aus Tirol ist ebenfalls ein Top-Favorit. Er hat in den letzten Jahren Top-10-Platzierungen beim OCC und CCC erreicht und ist gut ins Jahr 2016 gestartet: Beim IATF konnte er die 85er-Distanz gewinnen.

    Ebenfalls um die vorderen Plätze kämpfen wird der Franzose Simon Gosselin. Sein letzter Sieg bei einem Trailrennen liegt zwar schon etwas zurück (2024), aber wenn er ins Ziel kommt, dann meistens auf den vorderen Rängen. Sein ITRA-Performance-Score liegt aktuell bei 862.

    Kommen wir zu einem vielversprechenden deutschen Starter. Manuel Hartweg, gerade von der Trail-EM in Slowenien zurück, kennt die Ultratrail-Strecke des ZUT bereits. 2024 ist er sie gelaufen und konnte Platz 6 erreichen. Seit 2024 ist für Manuel Hartweg viel passiert, und wir trauen ihm auf jeden Fall eine noch schnellere Zeit zu.

Foto: Klaus Fengler

Ehrwald Trail (86 km, 4.295 Hm)

  • Beim Ehrwald Trail ist Ida-Sophie Hegemann mit von der Partie. Schon oft hat Ida erzählt, dass der ZUT 2018 ihr Eintritt ins Trailrunning war. Seitdem ist sie dem Rennen emotional sehr verbunden. 2024 hat sie den Ehrwald Trail in 10:39 Stunden gewonnen. Letztes Jahr musste sie die 100-Meilen-Distanz vorzeitig beenden. Wird es dieses Jahr ein einsames Rennen gegen die Uhr? Viele Fans hätten Ida sicherlich auch gerne auf den kompetitiveren 100 km gesehen. Somit dürfte ihr der Sieg ziemlich sicher sein.

  • Bei den Männern freuen wir uns auf den Österreicher Dominik Matt. Die Distanz dürfte ihm gut liegen, seine beiden letzten Rennen 2025 waren jeweils zwischen 80 und 90 km in der Länge (Puglia und Lavaredo). Matt schreibt auf Instagram, dass die letzten Trainingswochen gut liefen und Spaß gemacht haben. Auf eine Revanche mit Matt hofft Martin Halasz, der letztes Jahr beim Lavaredo 80k zwei Plätze hinter dem Österreicher als Vierter ins Ziel kam. Wir erwarten aber nicht nur einen Zweikampf, sondern eher einen Dreikampf. Denn der Tscheche Tomáš Hudec wird ein Wörtchen mitreden wollen, wenn es um den Sieg geht. Hudec ist gut ins Jahr gestartet, ihm fehlt aber noch ein Podium-Finish 2026. Das wird der erfahrene Tscheche, der schon große Rennen wie OCC, Sierre-Zinal und die Finals der Golden Trail World Series gelaufen ist, sich beim ZUT unbedingt sichern wollen. Edoardo Rossano aus Italien sollte man ebenfalls nicht vergessen.

Foto: Andi Frank

Leutasch Trail (69 km, 3.140 Hm)

  • Auf dem Leutasch Trail haben wir zwei deutsche Frauen, die sich ein spannendes Battle liefern dürften. Miria Meinheit kennt die Strecke nur zu gut, hat jahrelang in Ohlstadt unweit von Garmisch gelebt und wird das Rennen mit einem gefühlten Heimvorteil bestreiten. Nach einem DNF beim Trail du Petit Ballon hat sich Meinheit mit einem starken Rennen beim UTMB World Series-Rennen in Istrien über 69 km (Platz 3) zurückgemeldet. Bei der Ultratrail-DM beim Mountainman Nesselwang verpasste sie nur knapp das Podium. Lena Laukner ist seit einem Jahr kein Rennen mehr gelaufen. Sie dürfte umso heißer auf ihr Comeback sein. Sie war 2022 schon einmal beim ZUT (damals noch der ZUT Basetrail über 24 km) am Start. Jetzt heißt es, beim Leutasch Trail die dreifache Distanz zu laufen. Wir sind gespannt wer am Ende die Nase vorne haben wird.

  • Bei den Männern erwarten wir einen Zweikampf zwischen dem Spanier Andreu Simon Aymerich, der vor wenigen Wochen Zweiter beim Mozart Ultra über 72 km wurde – ein Rennen, das dem Leutasch Trail sehr ähnlich ist. Aymerich hat viele Top-Resultate erzielt; beispielsweise hat er 2024 den CCC deutlich unter 11 Stunden auf Platz 6 beendet. Er wird hier um den Sieg laufen. Marek Causidis prognostizieren wir ebenfalls eine gute Performance. Der Tscheche hat das Jahr zwar mit einem DNF beim Chianti Ultra Trail begonnen, hat aber bereits größere UTMB World Series-Rennen wie Istrien und Puglia gewonnen, die allerdings alle über 100 km lang waren. Für den bei der ITRA zweitbestgerankten Läufer seines Landes gilt: je länger, desto besser. Ob ihm der Leutasch Trail vielleicht etwas zu kurz ist?

Foto: Andi Frank

ZUT100 (166 km, 8205 hm)

  • Auf der 100-Meilen-Distanz haben wir mit Paulina Krawczak eine absolute 100-Meilen-Expertin, die schon einige große Rennen erfolgreich bestritten hat. Ihr größter Sieg dürfte der beim Ultra-Trail Snowdonia 2025 sein. Paulina ist Anfang Mai bereits einen 100-Meiler in Portugal siegreich gelaufen. Hat ihr die Pause von sechs Wochen gereicht? Wenn ja, läuft sie um den Sieg mit.

    Joanna Tallmann hat von der 100-km-Distanz auf die 100-Meilen-Distanz umgemeldet. Die Rheinländerin konnte den ZUT100 letztes Jahr gewinnen und möchte es erneut probieren. Eine Sprunggelenkverletzung hat sie im Frühjahr ein paar Wochen aus der Bahn geworfen, aber wer weiß: Eine etwas ausgeruhtere Joanna Tallmann dürfte vielleicht gerade gefährlich für die Konkurrenz sein. Sie weiß jedenfalls, was es braucht, um den ZUT100 zu gewinnen.

    Joanna auf den Fersen könnte Pia von Keutz sein. Pia feiert ihre 100-Meilen-Premiere, kennt die 100-km-Strecke und hat gute Resultate im Gepäck. Ihren Saison-Einstand feierte sie mit einem 5. Platz bei der Ultratrail-DM beim Mountainman Nesselwang. Sollten die beiden vorne Schwäche zeigen, ist Pia mit Sicherheit nicht weit weg.

  • Bei den Männern freuen wir uns auf Cristofer Clemente Mora, der hier bereits zweimal Zweiter auf der 100-km-Strecke wurde (das erste Mal bereits 2012!). Der Spanier ist extrem erfahren und hat Siege bei großen Rennen wie dem Nice Côte d’Azur oder dem Teneriffa Bluetrail errungen. Wir sind gespannt, was er beim ZUT100 zeigen wird.

    Der Österreicher Mathias Deutschbauer und die beiden Deutschen Marcel Geisler und Tobias Fritz wollen ebenfalls ganz nach vorne laufen beim ZUT100. Marcel Geisler ist 2023 als Sieger über 100 km in Garmisch eingelaufen. Er hat die Saison 2026 auf kürzeren Distanzen begonnen und scheint in Topform zu sein. Wer nicht als Elite gelistetet ist, den wir aber keinesfalls unterschlagen wollen, ist Tobias Fritz. Der für unglaublich hohe Trainingsumfänge bekannte Läufer wohnt nicht weit von Garmisch und kennt hier jeden Baum und jeden Stein. Letztes Jahr musste er den ZUT100 vorzeitig wegen Magenproblemen beenden und verpasste den fast sicher geglaubten Sieg erst in der Schlussphase. Er dürfte hochmotiviert sein, das zu korrigieren. Sollte er seine Ernährungsstrategie dieses Jahr besser umgesetzt bekommen, dann sehen wir ihn ganz vorne im Feld.

Foto: Andi Frank

Mittenwald Trail (44 km, 2110 hm)

  • Hans-Peter Innerhofer, von einer guten EM-Performance in Slowenien zurück, dürfte gute Erinnerungen an den ZUT haben. Schon dreimal ist der Österreicher hier aufs Podium gelaufen, immer auf einer der beiden kürzesten Distanzen. Dieses Mal läuft er mit dem Mittenwald Trail eine der längeren Strecken.

    Uns sind keine als Elite-gelistete Starterinnen auf dem Mittenwald Trail bekannt.

Garmisch-Partenkirchen Trail (29 km, 1565 hm)

  • Beim Garmisch-Partenkirchen Trail freuen wir uns auf eine lebende ZUT-Legende. Pierre-Emmanuel Alexandre, der Sieger des Ultratrails 2024 und 2025 und mit einer Sub-11 Stunden-Performance dortiger Streckenrekordhalter, lässt es sich nicht nehmen und geht beim Garmisch-Partenkirchen Trail an den Start. Ob ihm jemand gefährlich werden kann? Wir glauben kaum. Selbst wenn Pierre-Emmanuel Alexandre diesen Lauf „nur“ als gute Trainingseinheit mitnimmt, wird er kaum einzuholen sein.

    Uns sind keine als Elite-gelistete Starterinnen auf dem Garmisch-Partenkirchen Trail bekannt.

Grainau Trail (16 km, 760 Hm)

  • Konstantin Wedel ist für den Grainau Trail gemeldet. Der Vorjahressieger dürfte schwer zu stoppen sein. Das Battle mit Hans-Peter Innerhofer, der ursprünglich für den Grainau Trail gemeldet war, fällt aus (siehe oben).

    Uns sind keine als Elite-gelistete Starterinnen auf dem Grainau Trail bekannt.

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